Grevenbroich: Abt Bernhards Lebenswerk wird vollendet

Kloster Osek wird mit Millionenaufwand saniert : Abt Bernhards Lebenswerk wird vollendet

Bis zu seinem Tod im Jahr 2010 kümmerte sich der ehemalige Langwadener Zisterzienser-Abt Bernhard Thebes um den Wiederaufbau des nordböhmischen Klosters Osek. Jetzt wird das Lebenswerk des Geistlichen vollendet: Die 823 Jahre alte Abtei wird mit Unterstützung der Europäischen Union aufwendig erneuert. In voraussichtlich zwei Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Im Altarraum des Zisterzienserklosters, das sich unweit des Wallfahrtsortes Kupka befindet, stehen derzeit Gerüste, und das bis zu sieben Etagen hoch. Insgesamt 25 Restauratoren oder Studenten dieses Berufes in praktischer Ausbildung arbeiten in diesem Gotteshaus an mehreren Stellen gleichzeitig. Sie erneuern unter anderem die Fresken und den Stuck. Während der Woche wohnen sie im Gästetrakt des Klosters.

Draußen über dem Hauptschiff ist der alte Schiefer vom Dach abgenommen. Er soll mit originalem walisischem Schiefer belegt werden. Die Kirchenbänke werden restauriert, die Elektrik und die Lautsprecheranlage werden erneuert. Alles zusammen soll rund 125 Millionen tschechische Kronen, also rund fünf Millionen Euro, kosten, erklärt Wolfgang Sperling aus Schmeckwitz. Er ist Mitglied des deutschen Freundeskreises des Klosters Osek und arbeitet dort im Vorstand mit. Das gesamte Projekt wird zu 85 Prozent von der Europäischen Union und zu zehn Prozent vom tschechischen Staat gefördert. Fünf Prozent, rund 250.000 Euro, muss das Kloster selbst aufbringen. Dies wurde mit einem Kredit vorfinanziert, damit die Arbeiten begonnen werden konnten.

Vor drei Jahren hat der Generalabt der Zisterzienser, Guiseppe Lepori, das Kloster in die Verwaltung des Bistums Leitzmeritz übergeben. Die Wiederbelebung des Klosters nach dem politischen Umbruch ist nicht so gelungen, wie sich das viele gewünscht hätten – und dies, obwohl 1991 Bernhard Thebes, Prior des Klosters Langwaden, als neuer Abt für Osek gewählt worden war. Allerdings sind außer eines Mönchs keine weiteren nach Nordböhmen gekommen. Der Abt starb 2010, der zweite Mönch kam in das Kloster von Heiligenkreuz in Österreich.

Dennoch bemüht man sich in Osek darum, dass das Kloster mit seiner langen Geschichte weiterhin ein spirituelles Zentrum bleiben kann. Das Bistum Leitzmeritz hat Pfarrer Philipp Irmer als Geistlichen Leiter bestimmt. Der aus dem Bistum Münster stammende Priester ist zugleich Administrator für die beiden alten Wallfahrtsorte Krupka (Graupen) und auch für Mariánské Radcice (Maria Ratschitz), wo er auch wohnt.

Als Klosterverwalter wurde von der Diözese Jindrich Koska, der zugleich Vorsitzender des tschechischen Freundeskreises des Klosters Osek ist, bestimmt. Er hat selbst einen Landwirtschaftsbetrieb, durch den er seit 2015 die Brauerei und seit 2018 auch die Schnapsbrennerei auf dem Gelände des Klosters Osek führt. „Der Ertrag der Brauerei und der Schnapsbrennerei wie auch der von den Übernachtungen mit Frühstück werden zugunsten der Sanierung des Klosters verwendet“, erklärt Wolfgang Sperling.

Bis Mitte September sollen die Arbeiten im Altarraum und in den Querschiffen des Oseker Gotteshauses beendet sein. Bereits in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Projekte in der Klosterkirche realisiert. So sind zum Beispiel das Chorgestühl und die Kanzel bereits restauriert worden. Die Sanierung der Decke im Altarraum und in den beiden Querschiffen wurde in den vergangenen Jahren vom deutschen Freundeskreis, dem auch Grevenbroicher angehören, mit mehreren 10.000 Euro unterstützt.

Derzeit wird sonntags die heilige Messe um 10.30 Uhr in der Katharinenkapelle gefeiert, die der relativ geringen Anzahl der Gottesdienstteilnehmer in dieser Region genügend Platz bietet. Das Klosterareal mit Brauerei und Schnapsbrennerei ist den Besuchern weiterhin zugänglich.

Eine besondere Blüte erlebte das 1196 gegründete Zisterzienserkloster Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts. Damals wurden die Kirche und das komplette Areal im Barockstil ausgestaltet, auch die relativ großen Gärten. Wie Schwester Thaddäa Selnack aus dem Kloster St. Marienstern in den Akten erforscht hat, sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts 22 Männer aus der Lausitz ins Oseker Zisterzienserkloster eingetreten, von denen mindestens 17 Sorben waren. Der letzte von ihnen, der in Osek eingetreten ist, war Pater Domenikus Mikela Doberschütz, der 1980 gestorben ist.

Als eines der wenigen Klöster auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik wurde Osek im 19. Jahrhundert nicht säkularisiert. Das Zisterzienserkloster bestand bis 1946. Zunächst wurden die Mönche dort interniert, bald aber fast alle von ihnen aus der damaligen Tschechoslowakei ausgewiesen. Ein Teil der Zisterzienser ging in das Kloster St. Marienstern und später nach Rosenthal, der andere nach Langwaden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Osek zu einem Internierungslager für Ordensgeistliche. Dieses Lager bestand bis 1990.

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