Grevenbroich: 80er Jahre Konzert im Museum begeistert

Unplugged-Konzert im Grevenbroicher Museum : Kulturamtsleiter spielt die Songs der Helden aus den 80er Jahren

Wie ideenreich und musikalisch gut sortiert der Musiker und Kulturamts-Chef ist, stellte er bei seinem 80er-Jahre Liederabend unter Beweis.

Nur wer selbst musikalische Fantasie mit Können paaren kann, widersteht der Versuchung, ein simpler Kopist zu sein. So wie Stefan Pelzer-Florack. Wie ideenreich und musikalisch gut sortiert der Musiker und Kulturamts-Chef ist, stellte er bei seinem 80er-Jahre Liederabend unter Beweis: Er widerstand locker der Versuchung, diese Gassenhauer, Evergreens und Chartstürmer eins zu eins nachzuspielen, sondern fand eigene Interpretationen.

„Take on me“, war der Abend übertitelt. Drangvolle Enge herrschte in der guten Stube der Villa Erckens, und die Titel gebende Melodie war dann auch das ohne Ankündigung oder einleitende Worte gespielte Auftaktstück. „Ich habe kein Keyboard, ich habe kein Schlagzeug – und allein deshalb kann und will ich die Lieder nicht original nachspielen“, erklärte der Musiker fröhlich. Dem Publikum, gefiel das - ob A-HAs „Take on me“ oder Achim Reichels „Der Spieler“, „das ist toll, wie er das macht“, begeisterten sich die Gäste immer wieder und dankten es mit lang anhaltendem Applaus. Unprätentiös, ohne spektakuläre Einlagen verlief der Abend. Zu den melodiösen Klangkörpern lieferte der Musiker Geschichten. Er erinnerte daran, wie eine junge Dame beim legendären Solidaritätskonzert für Nelson Mandela Anno 1988 im englischen Wembley-Stadion „eigentlich nur als Ersatz für Stevie Wonder auftrat. Aber den 600 Millionen Zuhörern weltweit gefiel das“ – und so wurde Tracy Chapman über Nacht berühmt.

Auch das so gerne bei Hochzeiten gespielte „Every breath you take“ war im Repertoire. „Ich spiele den Bass-Lauf. Aber diesen Bass“, sagte er mit Blick auf das entsprechende Instrument, „habe ich seit drei Jahren nicht in der Hand gehabt. Er riecht auch etwas muffig.“ Noch wichtiger aber war, „einen der größten Textirrtümer der Pop-Geschichte“ klarzustellen: „Dieser Song ist kein Liebeslied, es geht um Stalking.“ Zwischen das von Tom Waits komponierte und von Rod Stewart interpretierte „Downtown train“ und einen „fröhlich stimmenden C-Dur-Akkord“ in „I just called to say I love you’“, setzte Stefan Pelzer-Florack auch  Pointen aus seinem eigenen Leben.

Rund um die Gruppe Fischer Z, für ihn ein Synonym des Kalten Kriegs und die eigene Bundeswehrzeit, sinnierte er über den skizzierten Überwachungsstaat in George Orwells „1984“ – und wie „unglaublich transparent sich jeder inzwischen in sozialen Netzwerken macht“. Und so gab es bei diesem Revival-Abend nicht nur Ohrwürmer in neuer Version, sondern ebenso Impulse zum Nachdenken.