Grevenbroich: 6500 grüne Quadratmeter im Schlossbad ohne Attraktionen.

Das Schlossbad in Grevenbroich erhält endlich eine Liegewiese : 6500 Quadratmeter ohne Attraktionen

Hinter dem Schlossbad ist nach monatelangen Verzögerungen der Bau der Liegewiese in Gang gekommen. Mitte Mai soll sie übergeben werden. Dass es weder Spielplatz noch Textilsauna auf dem Gelände geben soll, ärgert die Politik.

Die künftige Liegewiese des Schlossbades nimmt allmählich Gestalt an. Rund 3000 Kubikmeter Erde sind in den vergangenen Wochen bereits abtransportiert worden, täglich verließen dafür zwischen 18 und 26 Lastwagen das Areal. Einige der von Archäologen hinterlassenen mächtigen Erdhügel müssen noch abgetragen, der darauf entstandene Wildwuchs gerodet werden. Aber schon in Kürze soll mit den Planierarbeiten begonnen werden.

Ein Blick auf das geplante Außengelände des Schlossbades. Die ursprünglich angekündigten Attraktionen fehlen. Foto: GWG

„Im Frühjahr werden wir fertig sein“, signalisiert Willi Peitz, Geschäftsführer des Badbetreibers GWG Kommunal. Vorher muss ein Teil der Fläche noch mit Rollrasen versehen werden, ein anderer wird auf klassische Weise eingesät. „Mitte Mai wollen wir die Anlage in Betrieb nehmen“, beschreibt Peitz das Ziel. Rechtzeitig zum Beginn der warmen Jahreszeit soll den Besuchern des Bades die 6500 Quadratmeter große Liegewiese zur Verfügung stehen.

Mehr als Relaxen wird dort aber nicht möglich sein – denn: „Es wird definitiv nichts anderes auf dem Gelände geben“, sagt Peitz – also kein Spielplatz, kein Beachvolleyballfeld, keine Textilsauna. Nur grüne Wiese.

Das steht konträr zum alten Schlossbad, das etwa mit Wasserrutschen aufwarten konnte. „Durch den Abbruch des ehemaligen Gebäudes und die einjährige Verzögerung wegen archäologischer Ausgrabungen haben wir den Bestandsschutz für dieses Gelände verloren“, schildert Peitz. Angesichts der von GWG geplanten Attraktionen habe der Rhein-Kreis darauf aufmerksam gemacht, dass ein neues Lärmschutzgutachten für das Areal fällig werde. „Das haben wir anfertigen lassen“, sagt der GWG-Chef. Ergebnis: Im Bereich des Seniorenzentrums Albert-Schweitzer-Haus seien „leichte Überschreitungen“ des Grenzwertes ermittelt worden.

Damit seien aber große Konsequenzen für das Unternehmen verbunden: „Wir müssten einen sechs Meter hohen und 130 Meter langen Lärmschutzwall errichten“, sagt Willi Peitz. Mit einem solchen Aufbau werde das Außengelände einerseits massiv verkleinert, andererseits müsste ein großer Teil des Baumbestandes gefällt werden. Und: „Ein solcher Zaun würde rund eine Million Euro verschlingen.“

Dass außer der Rasenfläche nichts anderes auf dem Areal entstehen soll, hatte schon Politiker im jüngsten Sportausschuss in Rage gebracht. „Ich bin entsetzt“, sagte Rosemarie Cremer (SPD). Und Martina Suermann (Mein Grevenbroich) zeigte sich „fassungslos“. Ihre Kritik: GWG Kommunal habe der Politik ursprünglich Attraktionen versprochen, aus denen nun nichts werde. „Wir wurden mit falschen Informationen zu einer Entscheidung gebracht, die unter den jetzigen Umständen vielleicht anders ausgefallen wäre“, betonte Suerman. Sie attestierte der Projektleitung des Bad-Betreibers, einen schlechten Job gemacht zu haben – „für den die Politik draußen die Prügel erhalten wird“.

Tatsächlich hatte GWG dem Sportausschuss in der Vergangenheit mehrfach Attraktionen vorgestellt und sie auch mit Preisen beziffert – doch: „Wir halten uns an den letzten Beschluss, den das Gremium im Januar fasste“, sagt Willi Peitz. Weil das neue Lärmschutzgutachten seinerzeit noch nicht vorlag, jedoch Auflagen befürchtet wurden, stellte der Bad-Betreiber eine Fertigstellung der Liegewiese erst für 2020 in Aussicht. Vor diesem Hintergrund hatte sich der Ausschuss zu einer von Sportdezernent Michael Heesch formulierten Ad-hoc-Lösung entschieden: Um schon 2019 einen Tummelplatz für Sonnenhungrige anbieten zu können, sollte das Gelände rasch planiert und mit Rasen versehen werden. Über Attraktionen müsse dann zu einem späteren Zeitpunkt geredet werden. Und darauf pocht die Politik nach wie vor – auch in der Hoffnung, dass sich noch ein Hintertürchen öffnet.

Trotz der Ad-hoc-Lösung ging die Wiese in diesem Jahr bekanntlich nicht an den Start. Denn der Rhein-Kreis machte GWG schon bald nach der Sitzung des Sportausschusses einen Strich durch die Rechnung: Er untersagte den für März geplanten Baustart aus Gründen des Vogelschutzes. Eine vom Bad-Betreiber angestrebte Ausnahmegenehmigung wurde abgelehnt, so dass die Arbeiten erst im Oktober beginnen konnten, also nach der Brutzeit.

Dafür wird jetzt Vollgas gegeben, auch wenn die Kolonnen zurzeit wegen des Schlechtwetters und der Grippewelle etwas ausgedünnt sind. „In der nächsten Saison steht die Liegewiese auf jeden Fall zur Verfügung“, verspricht Willi Peitz. Und: Der bereits größtenteils fertiggestellte Vorplatz soll noch mit einem Sonnensegel versehen werden, das Dach des an das Bad grenzenden unterirdischen Schießkellers wird mit Blütenstauden und Gräsern bepflanzt. Zudem soll auch der Bad-Kiosk im nächsten Jahr öffnen, nach Wunsch von GWG möglichst auch mit einer Bedienung zum Vorplatz hin.

Trotz der fehlenden Liegewiese: Das Schlossbad ist durchaus beliebt und wurde bislang von rund 166.000 Menschen besucht. „Ein sehr guter Wert“, meint der GWG-Chef.