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Grevenbroich: 58-Jährige ist zu alt für Hund aus Tierheim

Grevenbroicher Tierfreundin sucht passenden Hund : Zu alt für den Hund aus dem Tierheim?

Fünf Katzen und zwei Hunde hat Anita Urbanczyk bereits aus Versuchslaboren, Tötungsstationen oder Tierheimen gerettet. Gerne hätte sie einen weiteren Tierheimhund. Der Wunsch bleibt ihr verwehrt – mit 58 Jahren sei sie zu alt.

Ist Anita Urbanczyk mal für sich, handarbeitet sie bevorzugt mit Stricknadeln. Aber allein ist die 58-Jährige höchst selten. Sind Ehemann oder Tochter nicht um sie herum, verbringt sie gerne Zeit mit ihrer besten Freundin Helga Schoeber. Am allerliebsten aber ist sie mit ihren Vierbeinern zusammen. „Wir haben fünf Katzen und zwei Hunde“, erzählt sie glücklich. Keines der sieben Tiere kommt vom Züchter, allesamt sind sie aus Heimen, Auffangstationen oder Laboren gerettet. Ginge es nach ihr, kämen zu den Hunden „Bonita“ und „Cooper“ noch ein weiterer. Natürlich ein Tierheimzögling. „Aber daraus wird leider nichts“, bedauert die Neukirchenerin. „Die Tierheime, in denen ich angefragt habe, sagen, ich sei zu alt für einen Hund.“

Tierlieb war sie schon als junges Mädchen. Rasch entdeckte sie vor allem ihr Herz für die Kreaturen, denen es offensichtlich nicht so gut geht. „Meinen ersten eigenen Hund habe ich vor einem Alkoholiker gerettet“, erinnert sie sich an die Anfänge 1994. Es folgten weitere fünf Zöglinge, für die sie „gerne auf jeden Urlaub verzichtet. Denn auf Flugreisen beispielsweise könnten sie nicht mit. Und in eine Tierpension würde ich meine Hunde nie geben.“

Bevorzugt „adoptiert“ sie große Hunde, „denn das sind die ärmsten Socken“. Aus ihrer Erfahrung werden aus den Tierheimen eher die kleinen, knuffigen Sorten ausgewählt, deren Niedlichkeitsfaktor besonders hoch ist. „Die Großen, die will ja nie einer. Denn dafür braucht man ja auch richtig Platz.“

„180 Quadratmeter Haus reichen doch locker aus für einen dritten Hund“, spricht Helga Schoeber die „üppigen Platzverhältnisse“ bei Familie Urbanczyk an. Ein Wintergarten zählt ebenso wie ein Hof dazu – und daran grenzt direkt der Wald. Beide Frauen haben sich über ihre Hunde vor nunmehr 14 Jahren auf der Route durchs Grün kennengelernt. „Inzwischen gehen wir täglich gemeinsam spazieren“, erzählt Helga Schoeber. „Egal, wie das Wetter auch ist“, beschreibt sie malerische Pfade, die bei hochsommerlichen Temperaturen entlang der Erft führen. Natürlich verfügt Anita Urbanczyk über den entsprechenden Sachkundenachweis, „der ist Pflicht“, und die Hunde tanzen ihr nicht etwa auf der Nase herum, sondern parieren aufs Wort. Auch deshalb ist die 58-Jährige so enttäuscht, keinen weiteren Hund aus dem Heim holen zu dürfen.

„Jedes Tierheim hat seine eigenen Kriterien“, sagt Sabrina Schulz vom Tierheim Oekoven. „Generell freuen wir uns über jeden Besucher, der zu uns kommt, um sich einen Hund anzuschauen“, fügt sie hinzu. Die Überprüfung, wer tatsächlich zur Hundehaltung geeignet ist, sei aber umfassend. „Dazu zählen Sachkundenachweis und Bescheinigung des Vermieters, einen Hund halten zu dürfen. Auch Familienverhältnisse und Zeitfenster werden gescheckt. Oft erstaunlich ist die Fehleinschätzung mancher Menschen“, weiß Sabrina Schulze über beispielsweise 80-Jährige, die alleinverantwortlich einen Welpen übernehmen wollen - was ebenso unverantwortlich sei, wie als Alleinstehender und Vollberufstätiger für einen so jungen Hund Verantwortung übernehmen zu wollen. Mit Blick auf den konkreten Fall weist Benjamin Pasternak, Erster Vorsitzender des Tierschutzvereins für den Kreis Neuss, darauf hin, dass seiner Kenntnis nach Anita Urbanczyk im Tierheim Oekhoven nicht vorgesprochen habe.

„Jeder Hund kostet bei uns eine Schutzgebühr“, berichtet Sabrina Schulze. Und ehe ein Tier das Heim verlässt, waren „Kennenlernphase und probeweise Spaziergänge erfolgreich“.

„Zeit habe ich reichlich, Platz auch – ich versuche es weiter“, gibt Anita Urbanczyk die Hoffnung auf einen weiteren Tierheimzögling nicht auf. „Wo ich kann, werde ich meine Freundin unterstützen“, steht ihr Helga Schoeber zur Seite.

Der Beitrag wurde, abweichend von einer früheren Version, um eine Stellungnahme des Tierschutzvereins für den Kreis Neuss ergänzt.