1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich 100-Jährige: Silvester ging's ins Staatstheater

100-Jährige Grevenbroicherin erzählt : Silvester ging’s ins Staatstheater

Die ersten Silvester, an die sie sich erinnert, verbrachte die Familie mit Bleigießen: Jetzt erlebt Hildegard Dittrich ihren 101. Jahreswechsel. Sie sagt: „Etwas mehr Geselligkeit wäre schön!“

Hildegard Dittrich erlebt in der Nacht zu Freitag ihren 100. Jahreswechsel. Das wird die Wahl-Grevenbroicherin, die seit 30 Jahren in der Schlossstadt lebt, in aller Stille tun. Fragt man sie nach ihrer ersten Silvesterfeier, muss sie einen Moment überlegen: „Ich bin 1920 geboren, zu dieser Zeit wurde der Jahreswechsel nicht so gefeiert, wie man es heute kennt“, berichtet die 100-Jährige. „Als ich noch ein Kind war, ging es bereits mit der Kriegspropaganda los, dann begann der Zweite Weltkrieg. Bestimmt habe ich in dieser Zeit mit Freunden an Silvester Blei gegossen, aber an eine ausgelassene Feier kann ich mich nicht erinnern.“

Auf den Krieg folgte die Vertreibung aus Schlesien, wo Hildegard Dittrich geboren wurde. „Mein Mann ist 1947 aus dem Krieg zurückgekommen und hat erst da unsere zweieinhalbjährige Tochter kennenlernen können.“ Die Familie gelangte schließlich nach Oldenburg, um sich ein neues Leben aufzubauen. „Nachdem mein Mann, der Beamter war, nach dem Krieg beruflich wieder Fuß gefasst hatte, fingen wir an, den Jahreswechsel zu feiern. Oldenburg hatte ein Staatstheater, in dem jedes Jahr eine Silvesterpremiere gefeiert wurde. Dort gingen wir hin. Wieder zu Hause, holte mein Mann eine Flasche Wein oder Sekt aus dem Keller und wir begrüßten das neue Jahr.“

  • Stellen ihre Kunst an der Alten
    Neue Ausstellung in Grevenbroich : Kommunikation als Kunst-Objekt in Grevenbroich
  • Elisabeth und Willi Staubesand, Orken, Grevenbroich
    Eiserne Hochzeit in Grevenbroich : Es funkte beim „Eckes Edelkirsch“
  • Große Teile Gelderns, hier die Hartstraße,
    Gedenken an Kriegsende : Ein Friedensbaum in Geldern als Mahnung gegen den Krieg

Silvester sei damals tiefgründiger gewesen. „Natürlich reflektiert man auch heute das vergangene Jahr und überlegt, wie man sich das kommende wünscht. Aber wir befanden uns damals im Aufbau und hatten Pläne.“ Schließlich hat das Ehepaar Kreuzfahrten für sich entdeckt – auch über Silvester. „Zu Beginn haben wir Routen in der Ost- oder Nordsee gewählt, dann sind die Ziele immer entfernter geworden. Ich werde nie die Einfahrt in den Hafen von Rio de Janeiro mit dem Blick auf den Zuckerhut vergessen.“ In diesem Jahr verbringt Hildegard Dittrich Silvester in ihrem Bett im Pflegeheim. „Etwas mehr Geselligkeit wäre schön, aber die meisten sind so krank, dass sie den Trubel nicht mehr so vertragen können.“