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Grevenbroich: Gindorfer fordern ein Ende der Baustelle

Grevenbroich : Gindorfer fordern ein Ende der Baustelle

Seit mehr als einem Jahr wird auf der Friedensstraße gebaggert. Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen und sehen ihre Existenz gefährdet. Politiker haben die Stadt aufgefordert, die Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen.

Die Anlieger der Friedensstraße gehen auf die Barrikaden. Seit einem Jahr wird vor ihrer Haustür gebaut — und ein baldiges Ende ist nicht in Sicht. Das nervt die Gindorfer, vor allem die Geschäftsleute, denn die beklagen Umsatzeinbußen. Und sie werfen den Grevenbroicher Wirtschaftsbetrieben vor, scheinbar planlos zu agieren. Gestern hat die UWG die Verwaltung aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Bauarbeiten unverzüglich abgeschlossen werden. "Der für solche Maßnahmen zu vertretende Zeitraum ist schon seit langem überschritten. Selbst gutwillige Anwohner haben die Nase voll", schimpft die Ratsfrau Hildegard Florack.

Die Wirtschaftsbetriebe (WGV) bringen seit Juli 2012 die Kanäle auf Vordermann, parallel dazu erneuert das Gas- und Wasserwerk (GWG) die Trinkwasser-Hausanschlüsse. "Wie lange das alles noch dauern wird, kann uns kein Mensch sagen", erklärt der Schreibwarenhändler Hans Lipzick. Seine Einschätzung der Lage: "Beschissen." Denn durch die nicht enden wollenden Arbeiten bleiben die Kunden fern — vor allem die aus den umliegenden Orten.

"Hätte ich kein Eigentum, könnte ich den Laden dicht machen", meint der 60-Jährige. Und Lipzick gibt zu bedenken: "Es wird ein Problem sein, die wegen der Bauarbeiten abgewanderten Kunden später wieder zurückzugewinnen." Diese Einschätzung teilt Linda Zießow (50), die nebenan einen Geschenke-Shop betreibt: "Das alles hier muss endlich mal vorbei sein, sonst bleiben wir auf der Strecke."

Markus Preuße kann das nur bestätigen. Der Wirt von "Reissdorf en d'r Post" und Inhaber des benachbarten "Gindorfer Grills" wirft der Stadt vor, ohne Konzept zu agieren. "Die Fahrbahn wird mal aufgerissen, dann geschlossen, bevor die Bagger sie wieder aufmachen — das ist der helle Wahnsinn", meint der 41-Jährige. Preußes Wut ist verständlich: Durch die Bauarbeiten hat er zurzeit keine Parkplätze mehr vor seinen Geschäften, die zudem wegen der Bauarbeiten nur umständlich zu erreichen sind. Der Gastwirt hat sich gestern hilfesuchend an die Bürgermeisterin gewendet — und ist schon am Vorzimmer von Ursula Kwasny gescheitert.

Dass sich die Verwaltungschefin dringend der Problematik annehmen muss, davon ist der Ratsherr Markus Schumacher (FDP) überzeugt: "Sie soll dem Rat das Konzept dieser Bauarbeiten vorlegen. So etwas wie in Gindorf darf sich in der Stadt nicht wiederholen", fordert er. Auch, weil es allmählich gefährlich wird, warnt Landwirt Heinz-Willi Winters (70): "Durch von Autos aufgewirbelte Steine sind hier schon Kinder verletzt worden", weiß er.

Wann werden die Arbeiten beendet? Bei den WGV war gestern niemand zu erreichen, der diese Frage beantworten konnte. Rathaussprecher Andreas Sterken hat zumindest einen groben Termin ausfindig machen können: "Voraussichtlich in zwei Monaten", meint er. Die Leute von der Friedensstraße zweifeln jedoch daran, dass im Oktober alles vorbei sein soll. Denn vor zwei Monaten hatte die Stadt nach Rücksprache mit den WGV mitgeteilt, dass die Arbeiten voraussichtlich Ende August abgeschlossen seien — wohlgemerkt in diesem Jahr.

(NGZ)