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Grevenbroich: Gift-Experte beruhigt Bürger

Grevenbroich : Gift-Experte beruhigt Bürger

Bei einer Bürgerversammlung diskutierten Experten gestern Abend mit Anwohnern über den Umwelt-Skandal im Neubaugebiet Kapellen. Der Toxikologe Ulrich Ewers betonte: Gesundheitliche Spätfolgen seien nicht zu erwarten.

Die Bürgerversammlung zum Umwelt-Skandal im Kapellener Neubaugebiet hat die Verunsicherung vieler Anwohner nicht ausräumen können. Zu groß scheint der Vertrauensverlust, nachdem unter dem Straßenpflaster Schadstoffe verbaut wurden. Vor allem die Sorge um gesundheitliche Spätfolgen treibt die Kapellener um. Nach etwa anderthalb Stunden reichte es einem Anwohner gestern Abend. "Ich möchte eine klare Antwort: Haben meine Kinder später wegen der Schadstoffe mit Erkrankungen zu rechnen?", fragte er. Ulrich Ewers, Professor am Hygiene-Institut Gelsenkirchen, verneinte dies zwar. Doch das beruhigte den Anwohner kaum.

Ulrich Ewers hatte zuvor in einem knapp halbstündigen Vortrag dargelegt, wie mögliche gesundheitliche Belastungen im Labor nachgewiesen werden können. Das Problem: Der Fachmann erklärte zwar lang und breit, wie die Werte gemessen werden. Aber er konnte den besorgten Eltern wenig Konkretes zu ihren Fragen mit auf den Weg geben. Zu lange läge es zurück, dass das vor allem mit Arsen und Schwermetall verarbeitete Material an der Straße lagerte. Beim Spielen hätten die Giftstoffe in den Körper der Kinder gelangen können – das sei in Blut- und Urinproben aber mit Ausnahme von Blei ("Im Blut etwa 100 Tage lang nachweisbar") nicht mehr zu belegen. Die beruhigende Botschaft des Toxikologen geriet dabei fast in den Hintergrund: Spätfolgen seien nicht zu erwarten.

Dr. Michael Dörr vom Kreisgesundheitsamt bot allen Eltern an, ihre Kinder auf mögliche Belastungen durch Blei untersuchen zu lassen. Stadt, Kreis und der Projektentwickler DSK versprachen den Bürgern gestern Abend "größtmögliche Transparenz". Bei diesem Begriff zuckten einige im gut gefüllten Veranstaltungssaal der Gaststätte zusammen. "Größtmögliche Transparenz bedeutet meist das Gegenteil", wurde an einem Tisch getuschelt. Allerdings machten Stadt, Kreis und DSK deutlich, dass sie unschuldig an dem Umwelt-Skandal sind. Eine Strafanzeige gegen die für den Straßenbau verantwortliche Firma wurde gestellt, die Polizei ermittelt.

Viele Anwohner hadern allerdings mit den von der Stadt genommenen Bodenproben in ihren Gärten. Die Sorge: Diese seien nicht tief genug aus dem Erdreich entnommen worden, zudem seien nicht alle Gärten erfasst worden. "Ich möchte ein offizielles Schreiben, in dem steht: Dieser Garten ist schadstofffrei", betonte einer der Anwohner. Er fürchtet einen Wertverlust seiner Immobilie durch den Umwelt-Skandal. Einige Anwohner haben gar auf eigene Faust Proben aus ihren Gärten nehmen lassen – und beklagen erhöhte Schadstoffwerte. Kreis-Umweltdezernent Karsten Mankowksy erklärte, diese Ergebnisse prüfen zu lassen.

(NGZ)