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Grevenbroich: Gestank: Alu-Firmen im Dialog

Grevenbroich : Gestank: Alu-Firmen im Dialog

Die vier Alu-Firmen an der Aluminiumstraße räumen ein, dass es am Standort zu "Gerüchen" kommt. Nach Beschwerden suchen sie den Dialog, laden die Nachbarn zur Infoveranstaltung. Die Initiative IGL ist skeptisch.

101 "Gestanksmeldungen" hat die "Interessengemeinschaft Lebensqualität in Grevenbroich" (IGL) seit Frühjahr auf ihrer Homepage aufgelistet. Vertreter der vier Alu-Unternehmen an der Aluminiumstraße sprechen nicht von "Gestank" — doch sie räumen ein: "Uns ist bewusst, dass bei uns in Teilen Gerüche auftreten", sagte Aleris Europe-Direktor Roland Leder am Donnerstag für die vier Firmen.

Hydro Aluminium Rolled Products sowie High Priority, Aleris Recycling und Tokai Erftcarbon suchen nach der steigenden Zahl von Beschwerden den Dialog: Für den 4. November laden sie Anwohner, Vereine, Kirchen, Umweltgruppen und Behörden zur Infoveranstaltung. Leder: "Wir wollen mehr Transparenz schaffen, informieren, einen Dialog aufbauen. Es soll nicht bei einer Veranstaltung bleiben."

Die Firmen treten gemeinsam auf: "Viele Grevenbroicher sprechen noch vom Erftwerk, das lange nicht mehr existiert. Wir sind vier selbständige Unternehmen, wollen unsere Tätigkeitsbereiche vorstellen — und zeigen, dass wir gemeinsam Verantwortung — für Nachbarn und Umwelt — übernehmen", so Hydro-Sprecher Michael Peter Steffen. Vorherrschendes Thema dürften beim Infoabend mit einer Moderatorin die Geruchsbelästigung sein, über die Südstädter und Barrensteiner klagen. "Wir wollen im ersten Schritt die Sorgen unserer Nachbarn hören und dann in weiteren Schritten Geruchsbelästigungen zu verringern", sagt Leder.

Schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Die Firmen haben laut Volker Glaubke, Umweltschutzleiter bei Hydro, nach Absprache mit der Bezirksregierung ein Gutachten in Auftrag gegeben, "Schnüffler" gehen dem Gestank auf den Grund, das Verfahren wird am 4. November vorgestellt. Ergebnisse werden für Herbst 2011 erwartet.

Bislang laut Glaubke ein Problem: "Von einzelnen Geruchsereignissen kennen wir die Ursache, aber häufig können wir Gerüche nicht spezifizieren — vor allem, wenn Beschwerden nach ein, zwei Tagen kommen." Erftcarbon-Geschäftsführer Dieter Schiefer ergänzt: "Wir haben bereits viel getan, etwa eine thermische Nachverbrennung für Rauchgase errichtet, die bei der Erzeugung von Graphitelektroden entstehen. 2011 schalten wir einen neuen Elektrofilter davor, insgesamt haben wir dafür 5,5 Millionen Euro investiert.

Und was sagt die IGL? "Ich erwarte vom Infoabend wenig, das wird eine Public-Relations-Veranstaltung", so IGL-Sprecher Claus Schäfer. "Das Schwarze-Peter-Spiel muss ein Ende haben. Wir verstehen nicht, warum die Firmen die Quellen nicht kennen. Verursacher sind in unseren Augen Aleris und Erftcarbon. Wir wollen konkret wissen, was aus den Gebäuden an Schadstoffen herauskommt, fordern kontinuierliche Messungen."

(NGZ)