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Grevenbroich: Geschichtsverein verlegt weitere Stolpersteine im Stadtgebiet

Grevenbroich : Geschichtsverein verlegt weitere Stolpersteine im Stadtgebiet

Das zartgelbe Kreuz auf dem Boden unmittelbar vor Haus Nummer 5 markiert an der Bahnstraße nicht einem speziellen Eingriff anlässlich der dort ausgeführten Bauarbeiten. Dort wird nach Ende der Baumaßnahmen ein Stolperstein eingelassen, der dann an Philipp Kaufmann und seine Familie erinnern soll und jetzt symbolisch verlegt wurde.

"Unfreiwillig war er im Mai 1939 nach Neuss verzogen, im Oktober 1941 ins Ghetto Lodz verbracht und am 8. Mai 1942 in Chelmno/Kulmhof ermordet worden", erinnerte Uli Herlitz vom Grevenbroicher Geschichtsverein an den 1895 geborenen jüdischen Bürger. In aller Kürze referierte er die Geschichte der Familie Kaufmann, zu der neben Ehefrau Selka auch Schwägerin Hedwig Oberschützky gehörte. Sie alle wohnten an der Bahnstraße 3 bei Philipps Großvater Alfred Blum, und betrieben ein Schuhgeschäft.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde an der Adresse das sogenannte Braune Haus, in der sich die örtliche Parteizentrale breit machte, eingerichtet - Familie Kaufmann zog zwangsläufig aus ihren unteren Etagen mit Ladenlokal unters Dach, fertigte Schuhe auf dem Wohnzimmertisch. Der Druck war enorm. "Wie sie sich dabei gefühlt haben, kann man nur erahnen", sagte Herlitz.

Seit 2009 ist es das insgesamt 40. Erinnerungsquadrat, das in Zusammenarbeit mit dem Künstler Gunter Demnig "gegen das Vergessen" an den jeweiligen Adressen in den Boden eingelassen wird, an denen einst Juden lebten, bevor sie verschleppt wurden. "Derzeit aktenkundig bekannt sind knapp über 200 in Grevenbroich geborene Holocaustopfer", weiß Stadtarchivar Thomas Wolff. Weitere Stolpersteine zur Erinnerung an ehemalige jüdische Bürger wurden gestern außerdem in Hülchrath für die Geschwister Elli und Jenni Hirsch, das Wevelinghovener Geschwisterpaar Emma und Josef Voosen sowie die vor ihrer Verschleppung in Hemmerden lebende Familie Sachs wiedergegeben.

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130 Euro kosten die von Gunter Demning kreierten Steine. An der Bahnstraße 3 übernahm Michael Koch mit Ehefrau Sandra und Tochter Lina die Patenschaft dafür. "Familie Kaufmann gehört genauso zur Stadtgeschichte wie wir", sagte der Dachdeckermeister. "Das darf nie in Vergessenheit geraten."

(von)