Grevenbroich: Geschichtsverein erinnert heute an die Namen der Holocaust-Opfer

Grevenbroich : Geschichtsverein erinnert heute an die Namen der Holocaust-Opfer

Der Arbeitskreis Judentum des Grevenbroicher Geschichtsvereins beteiligt sich am heutigen Holocaust-Gedenktag mit einer Social-Media-Kampagne. Ziel ist es, den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht zu geben. Zudem wird eine Gedenkstunde im Museum veranstaltet.

Bereits seit 1988 erinnert der Arbeitskreis unter Leitung von Ulrich Herlitz an die mehr als 200 jüdischen Holocaustopfer aus Grevenbroich. Heute werden deren Namen an die Wände der Villa Erckens projiziert, am Montag werden sie von Schülern der Diedrich-Uhlhorn-Realschule auf dem jüdischen Friedhof in Wevelinghoven vorgelesen. Die Schule wird gemeinsam mit dem Erasmus-Gymnasium in den Osterferien die KZ-Gedenkstätte Auschwitz besuchen.

"Es ist nicht immer einfach, eine angemessene Form des Gedenkens zu finden, die auch Jugendliche und junge Erwachsene anspricht", sagt Ulrich Herlitz. Wie auch bei den Stolpersteinen, die in Grevenbroich am 24. Mai zum nunmehr siebten Mal durch den Künstler Gunter Demnig verlegt werden, sei es eine wichtige Aufgabe, das Erinnern vor allem in den Alltag hinein zu holen.

"Denn die Überlebenden und Zeitzeugen des Holocaust, zu denen ich in den 1990er Jahren Kontakte geknüpft habe, sind mittlerweile zumeist verstorben", berichtet Herlitz. "Heute steht für mich der Kontakt zur zweiten, ja dritten Generation im Vordergrund. Und diese verfolgt sehr aufmerksam, wie Deutschland mit seiner Vergangenheit umgeht."

Auch in der Erinnerungsarbeit gewinnen die sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter zunehmend an Bedeutung. Deshalb gab es zum 70. Holocaust-Gedenktag im vergangenen Jahr eine "Social Media"-Kampagne, die vom World Jewish Congress (JWA) gestartet wurde. Es wurde weltweit dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #WeRemember ein Selfie von sich zu posten. "Die Kampagne entwickelte eine große Eigendynamik, so dass binnen weniger Wochen mehr als 250 Millionen Menschen weltweit erreicht werden konnten", sagt Ulrich Herlitz.

Auch in diesem Jahr hat der WJC wieder einen Aufruf unter dem Hashtag #WeRemember gestartet. Es geht darum, dass sich hinter jedem Ermordeten ein Name, ein Gesicht, eine Persönlichkeit verbarg. "In unserer Stadt waren es mehr als 200 Grevenbroicher Gesichter aus nahezu allen Stadtteilen", sagt Herlitz.

Der Arbeitskreis Judentum und viele Grevenbroicher - darunter auch der Arbeitskreis "KKG - Gegen das Vergessen" der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule - beteiligen sich heute an der weltweiten Selfie-Aktion.

Auch zur Gedenkveranstaltung, die um 11 Uhr in der Villa Erckens im Stadtpark beginnt, besteht die Möglichkeit, Fotos zu machen und sie direkt über die Seite des Geschichtsvereins online zu stellen.

(wilp)