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Grevenbroich: Genuss auf der Café-Meile

Grevenbroich : Genuss auf der Café-Meile

Die Innenstadt kann mit einer hohen Dichte an Cafés wuchern. Auch insgesamt steht Grevenbroich in diesem Bereich im Vergleich zu anderen Städten gut da. Das steigert die Lebensqualität.

Das hat selbst Wladimir Kaminer beeindruckt. Als der aus Russland stammende Schriftsteller zwecks Recherche vor knapp zehn Jahren in die Schloss-Stadt kam, beeindruckte ihn augenscheinlich die hohe Dichte an Cafés in der Innenstadt — und das Angebot an Straßenmusikanten. Was das Angebot an Cafés und Gaststätten anbelangt, hat sich in Grevenbroich nichts geändert: In diesem Bereich liegt die Schloss-Stadt weit vorne. Laut Gaststätten-Verband Dehoga gibt es 145 Betriebe in der Stadt, inklusive zehn Hotels. Zum Vergleich: In Dormagen gibt es 120 Gaststättenbetriebe — inklusive 18 Hotels.

Cafés in der Innenstadt stehen für Lebensqualität. Kaminer, der seinerzeit unterwegs war, um für sein 2003 erschienenes "Mein deutsches Dschungelbuch" die Befindlichkeit der Bundesrepublik jenseits der Großstädte zu erkunden, muss vor seinem Grevenbroich-Besuch keine guten Erfahrungen gemacht haben. Er notierte: "Meine ganze Hoffnung war nun Grevenbroich, da musste es einfach schön sein, allein der Name: Grevenbroich! Und tatsächlich schien dort am nächsten Tag die Sonne. Ein junger Mann saß in der Fußgängerzone und spielte Gitarre: Seine Melodien kamen mir bekannt vor — genau: Das haben wir als Kinder im Kindergarten gesungen."

Die Stadt wirbt mit dieser Passage aus dem Kaminer-Buch sogar auf ihrer Homepage. Vermutlich auch, weil der gebürtige Moskauer noch einen Satz über Grevenbroich schrieb, der jedem Bewohner schmeichelt: "Ich war wieder mitten im Leben." — Mitten im Leben, so fühlen sich auch viele Grevenbroicher, wenn sie auf einen Kaffee oder ein Eis in der Innenstadt verweilen. Katrin Baumann (43) genießt hier den Frühlingsanfang. Im Eiscafé "Toto" hat sie sich drei Kugeln Eis gegönnt. Von einer Bank am Rathaus aus beobachtet sie Passanten. "Das zerstreut die Gedanken und entspannt ungemein", meint Baumann.

Die Bedeutung von Cafés in Fußgängerzonen für die Lebensqualität hat Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski in seinem 2006 in vierter Auflage erschienenen Buch "Einführung in die Freizeitwissenschaft" umrissen. Cafés stehen demnach unter dem Schlagwort Soziales für Geselligkeit: Dort könne man mit Freunden sitzen, Menschen beobachten, lachende Gesichter sehen. Laut Opaschowski habe die soziale Dimension der individuellen Lebensqualität zwar "ein wenig Kulissencharakter". Dennoch gelte: "Man braucht die Freunde und lachenden Gesichter der sozialen Umwelt für das eigene Glücklichsein."

Kein Wunder, dass in den Innenstadt-Cafés immer etwas los ist. Vor allem jetzt, im Frühling.

(NGZ)