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Grevenbroich: Gelbe Kannen für den Friedhof

Grevenbroich : Gelbe Kannen für den Friedhof

Die Dorfgemeinschaft Allrath stellt 32 Gießkannen für Besucher auf dem Friedhof im Ort zur Verfügung. Der Stadt wurde angeboten, ähnliche Kannen auf allen Friedhöfen bereitzustellen. Das jedoch wird abgelehnt.

Das Problem kennt jeder: Die Pflanzen auf dem Grab eines Verwandten müssen gegossen werden, doch auf dem Friedhof fehlt die Gießkanne. Und selbst wenn sie da ist, haben gerade ältere Bürger, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, oft ein weiteres Problem — sie müssen die Gießkanne von der Wasserstelle zum Grab schleppen. Die Dorfgemeinschaft Allrath hat nun auf dem Allrather Friedhof für Abhilfe gesorgt. Dort wurden Ständer aufgestellt, an denen 32 Gießkannen baumeln. Jeder kann sich hier für die Grabpflege bedienen.

Michael Paulsen (44), zweiter Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, ist überzeugt, dass das Angebot bei der Bevölkerung ankommt. "Jetzt muss niemand mehr eine Kanne von zu Hause mitbringen", sagt er. Unterstützt wurde die Dorfgemeinschaft bei ihrem Vorhaben von Hermann-Josef Krüppel (61) und seinem Sohn Bernhard (24). Sie betreiben im Ort ein Blumen-Center und stellten neben den Kannen sowie einigen Ständern auch zwei sogenannte Friedhofskarren zur Verfügung. Die erleichtern nicht nur den Transport von Pflanzen und Blumenerde, sondern auch den Weg mit der Gießkanne zur Grabstelle. Zwischen fünf und zehn Liter fassen die Kannen, wer mehrere voll macht und auf einer der Karren zum Grab fährt, spart Wege und Kraft.

Die Unterstützung des Blumen-Centers, das sein 40-jähriges Bestehen begeht, nennt Krüppel "ein Dankeschön an die Bevölkerung". Dass die Kannen knatschgelb sind, hat einen ganz praktischen Grund. "82 Prozent aller Gießkannen sind grün", sagt Hermann-Josef Krüppel. "Die gelben Kannen fallen schneller auf. Falls jemand eine dieser Kannen mitgehen lässt, dann fällt auch das in der Nachbarschaft schneller auf", fügt Bernhard Krüppel hinzu.

Zur Befestigung der Kannen hat die Dorfgemeinschaft zwei Holzständer errichtet. Sie erinnern an jene Balken, die jeder aus Western kennt: Cowboys binden dort im Film ihre Pferde fest. Doch die Idee hat die Dorfgemeinschaft nicht aus dem Film, sondern von anderen Friedhöfen, die ähnliche Angebote bieten. Etwa vier Stunden haben die Mitglieder der Dorfgemeinschaft an der Errichtung gearbeitet. Hinzu kommen weitere Ständer, die vom Blumen-Center aufgestellt wurden.

Hermann-Josef Krüppel hat der Stadt angeboten, auf seine Kosten alle Friedhöfe mit solch gelben Gießkannen auszustatten. Das Problem: Auf den Kannen sind kleine Aufkleber angebracht, die für Krüppels Blumen-Center werben. Mit Blick auf die Friedhofssatzung ist davon auszugehen, dass die Stadt das Angebot für alle Friedhöfe ablehnt. Laut Satzung ist Werbung auf städtischen Friedhöfen nicht erwünscht. Das hat der Arbeitskreis Bestattungswesen kürzlich in einer Sitzung bekräftigt.

(NGZ)