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Grevenbroich: Gedenkbaum erinnert an Opfer des Kriegs

Grevenbroich : Gedenkbaum erinnert an Opfer des Kriegs

86 Kriegstote aus Kapellen sollen auf dem Gedenkbaum verewigt werden. Der Künstler Jürgen Meister soll das Konzept umsetzen.

Bunt verteilt wie Früchte an einem aufblühenden Baum sollen sie mahnen: die Namen jener Soldaten, Zivilisten, Frauen und Kinder, die vor rund 70 Jahren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen – für das sinnlose Leid, das von einem größenwahnsinnigen Diktator angezettelt wurde. 86 Namen für 86 Persönlichkeiten: Sie alle sollen in Zukunft auf einem Gedenkbaum aus Stahl verewigt werden, der an der katholischen Kirche in Kapellen aufgestellt werden soll.

"Es ist das Symbol für den Stammbaum zahlreicher Familien in Kapellen, der an einer oder gar mehreren Stellen unterbrochen ist", erklärt der Künstler Jürgen Meister den "Erinnerungsbaum". Dieser soll auf Initiative des Heimatvereins "Kapellener Jonge" so bald wie möglich umgesetzt werden.

Ein erster Entwurf des Baumes aus Pappe ist bereits jetzt im Atelier des Künstlers Jürgen Meister zu sehen – der Baum selbst soll später vom Kapellener Werkzeugmacher Michael Kensbock aus Cortenstahl gefertigt werden. "Dieser Stahl bildet mit der Zeit eine dünne Rostschicht, die jedoch durch eine Phosphat-Barriere gestoppt wird und das Kunstwerk weicher wirken lässt", erläutert der 60-jährige Künstler. Er will bei diesem Projekt auf sein Honorar verzichten. Teuer wird nur die eigentliche Herstellung aus Stahl – 25 000 Euro wurden dafür einkalkuliert. "Wir suchen jetzt Sponsoren für das Denkmal und hoffen dabei vor allem auf die Spendenfreundlichkeit der Kapellener", sagt Georg Plöger, der zweite Vorsitzende des Heimatvereins. Er ist aber zuversichtlich.

Auf der Grundlage von Totenzetteln aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs habe der Verein die Namen der Gefallenen zusammengetragen – darunter auch ein elfjähriger Junge, der im Bombenhagel beim Luftkrieg über Kapellen tödlich verletzt wurde. "Ob wirklich die Namen von allen Kapellener Kriegsgefallenen auf dem Baum zu lesen sind, muss noch genauer erforscht werden", sagt der 76-Jährige. Er will dafür in den Sterberegistern aus dieser Zeit recherchieren und hofft außerdem auf Hinweise aus der Bevölkerung.

"In Kapellen fehlt ein solches Denkmal noch", sagt Bürgermeisterin Ursula Kwasny, die das Projekt ebenso wie der Schirmherr, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, "sehr begrüßt". Petrauschke spricht von einer "Initiative mit Idee": "Dass fast 70 Jahre nach Kriegsende immer noch der Wunsch besteht, eine solche Gedenktafel aufzustellen, spricht eindeutig dafür, dass die Erinnerungen an dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit nicht verblassen", sagt Petrauschke. Er machte sich bei der öffentlichen Präsentation ebenfalls ein Bild von dem Entwurf.

Die genauen Daten, Legenden und die einzelnen Schicksale der Kriegstoten sollen auf der Rückseite des Baums in einer Art Briefkasten sichtbar gemacht werden.

(cka)