Grevenbroich: G9-Abitur steht nicht zur Wahl

Grevenbroich : G9-Abitur steht nicht zur Wahl

Zurzeit werden Eltern von Zweit- und Drittklässlern nach ihrer bevorzugten weiterführenden Schule gefragt. Das Abitur nach neun Jahren (G 9) steht aber nicht zur Wahl. Kein Fehler, sondern Absicht, sagt die Stadtverwaltung.

Welche weiterführenden Schulen wird es in Grevenbroich in Zukunft geben? Diese Frage können bis zum 13. Juni die Eltern von Zweit- und Drittklässlern aus Grevenbroich und Rommerskirchen beantworten. Neben Haupt-, Real-, Gesamt- und der neuen Sekundarschule steht zwar auch das Gymnasium (mit G8) auf dem Eltern-Fragebogen. Ein Abitur am Gymnasium nach neun Jahren (G9) wird allerdings nicht nachgefragt. "Das ist kein Fehler", so Stadtsprecher Andreas Sterken. Die NGZ erklärt warum.

Hintergrund der anonymen Umfrage: An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mussten immer wieder Kinder abgewiesen werden; in diesem Jahr 84, zuvor rund hundert. Parallel fehlen an der Hans-Sachs-Schule in Orken für das kommende Schuljahr erstmals Fünftklässler. Diese Hauptschule wird deshalb, so beschloss der Rat, schrittweise auslaufen. Um zu klären, was die Eltern wollen, hat der Rat eine formelle Befragung beschlossen. "Der Fragebogen ist keine Anmeldung", betont Thomas Staff, Leiter des Fachbereichs Schulen. "Das Ergebnis ist aber bindend."

2013 werden die letzten Gymnasiasten in NRW nach neun Jahren ihre Abiturprüfung ablegen können. An den beiden Grevenbroicher Gymnasien ist danach kein G9-Abschluss möglich. 2011 wäre eine Rückkehr zu G8 möglich gewesen – warum man sich etwa am Erasmus-Gymnasium dagegen entschieden hat, erläutert dessen Direktor Michael Jung: "Es gab mehrere Gründe. Zum einen wollten wir den einmal beschrittenen Weg fortsetzen. Zum anderen hat sich das neue G9-Modell zu stark vom alten unterschieden." Man habe versucht, auf die kürzere Schulzeit zu reagieren, indem etwa Lehrpläne entrümpelt wurden. Am "Erasmus" wurde zudem der Stundentakt verlängert – das bedeute weniger Fächer pro Schultag. "G8 heißt weniger Freizeit für die Schüler, verlangt mehr Planung", weiß auch Jung.

"Wer in Grevenbroich Abitur nach neun Jahren machen will, muss das Wirtschaftsabitur am BBZ machen oder zur Gesamtschule", sagt Thomas Staff. G9 stehe auch deshalb nicht zur Abstimmung, weil es keine entsprechenden Gymnasien in der Umgebung gebe, erläutert eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Diese hat den Fragebogen mit der Grevenbroicher Verwaltung abgestimmt.

Wichtig für Verwaltung: eine hohe Abgabe-Quote. "Wir werden das Ergebnis hochrechnen und dann mit der Bezirksregierung interpretieren", so Staff. In der Ratssitzung vor den Sommerferien würde über die weiterführenden Schulen entschieden werden: "Natürlich wünschen wir uns ein möglichst klares Votum." Neben einer Sekundar- oder zweiten Gesamtschule könne das Ergebnis auch für die Realschulen gravierend sein – wenn es nur noch für eine reicht.

(NGZ)