Frimmersdorf: Für RWE zurück in die Türkei

Frimmersdorf : Für RWE zurück in die Türkei

Merih Yaman (34) ist in der Türkei geboren, ging in Deutschland zur Schule, studierte in den USA. Für RWE arbeitete er an einem neuen Gas-Dampf-Kraftwerk in der Türkei mit: "Ich hätte nie gedacht, dass das einmal möglich wird."

Wenn Merih Yaman Besuchern das Kraftwerk Frimmersdorf zeigt, dann schwingt Stolz in seiner Stimme mit. Turbinen, Armaturen, Pumpen, Getriebe und Großgebläse — mit vier Kollegen kümmert sich der 34-Jährige als Referent für Maschinentechnik um den reibungslosen Ablauf im ältesten Braunkohlekraftwerk im rheinischen Revier, das derzeit bei der Revision mit neuester Technik ausgerüstet wird. Doch der Auftrag, der den gebürtigen Türken bisher am meisten begeisterte, war ein Projekt in der Heimat seiner Familie: Merih Yaman arbeitete für ein Jahr am Bau eines neuen Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk im südtürkischen Denizli mit: "Ich hätte nie gedacht, dass das einmal möglich wird."

Seine Eltern gehörten zu ersten Generation der Auswanderer: Sein Vater arbeitete in den Fordwerken in der Produktion, auch Yamans Mutter war Produktionshelferin. "Da meine Eltern berufstätig waren, sind meine Schwester und ich bei den Großeltern in Istanbul aufgewachsen; dort besuchten wir die deutsche Schule", erinnert sich Merih Yaman. Mit elf Jahren zog er zu seinen Eltern nach Düren, machte den Realschulabschluss und begann 1995 eine Ausbildung als Industriemechaniker bei RWE.

In Aachen und Los Angeles studiert

Doch Merih Yaman wollte mehr, lernte parallel zur Ausbildung an der Abendschule für die Fachhochschulreife, schrieb sich an der Fachhochschule Aachen für Maschinenbau ein. Doch ihn reizten die Auslandserfahrungen von Studienkollegen so sehr, dass Yaman sich an Universitäten in Boston, New York und Los Angeles für einen Master-Studiengang bewarb. An der University of California schloss er sein Studium ab und kehrte zu RWE zurück. Als Trainee war er in England: "Dass ich drei Sprachen — Deutsch, Englisch und Türkisch — beherrsche, hat geholfen, wenn Kollegen aus unterschiedlichen Ländern Probleme klären mussten."

Sein Einsatz in der Türkei war laut Yaman "einfach unbeschreiblich". Während des Aufenthalts hat er wieder in Istanbul gewohnt, im früheren Jugendzimmer geschlafen: "Es war interessant, das neue Projekt zu begleiten: Die Nachfrage nach Strom und der steigende Energiebedarf in der Türkei führt zu langfristigen Investitionen im Energiesektor." Ob Merih Yaman sich mehr als Deutscher oder als Türke fühlt? Diese Frage kann der 34-Jährige, der in Düren lebt, nicht eindeutig beantworten: "Meine Heimat ist dort, wo meine Familie ist, wo meine Freunde sind." Doch sie würde er verlassen, wenn er für ein neues Projekt ausgewählt würde. "In Frimmersdorf gibt es ältere Kollegen, deren Erfahrung mich beeindruckt", sagt Yaman und blickt voller Stolz auf "sein" Werk.

(NGZ/rl)
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