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Führung in Grevenbroich: Als Straßenjungs ihr Veedel unsicher machten

Führung durch die Grevenbroicher Innenstadt : Als die Straßenjungs ihr Veedel unsicher machten

Ulli Spanier lädt zur alternativen Stadtführung ein. Der 63-Jährige erzählt von Cliquen, Kneipen und zwielichtigen Gestalten.

Wie werden Fische mit einer Martini-Flasche gefangen? Wie kommen 14-Jährige an die Groschen fürs Flipper-Spiel? Und welches verbotene Getränk verbirgt sich hinter dem Namen „Brammi“? Der Ur-Grevenbroicher Ulli Spanier kann Antworten auf diese Fragen geben – und auf viele andere mehr. Das wird er erstmals am 27. März tun, bei einer alternativen Stadtführung durch das Milieu seiner Kinder- und Jugendzeit. Der Titel ist vielversprechend: „Straßenjungs von Grevenbroich – Vom Rebell zum Rentner“. Die Teilnahme ist kostenlos.

Sein „Veedel“, das waren die Straßen und Gassen rund um den Marktplatz. Es war das Quartier, in dem Spanier und seine Freunde aufwuchsen, das sie in den Sechzigern und Siebzigern „unsicher“ machten. „In dieser Zeit ist viel passiert“, erinnert sich der heute 63-Jährige. Und davon will er bei einem Abendspaziergang erzählen. Die Teilnehmer können sich auf eine Zeitreise freuen – und auf eine Begegnung mit Originalen und Autoritäten, aber auch zwielichtigen Gestalten, die das Viertel damals bevölkerten. Bierernst wird es bei diesem Rundgang nicht zugehen: „Es darf gelacht werden“, sagt Spanier. Und wer möchte, kann seine eigenen Erinnerungen beisteuern.

Der Hit „No Roots“ von Alice Merton hat ihn auf die Idee gebracht, sich auf seine Wurzeln zu besinnen, sich an das zu erinnern, was für ihn und die Nachbarjungs wichtig war – damals, als sie zwischen acht und 18 Jahre alt und in der „Fahrschule des Lebens“ waren.

Ulli Spanier – der Referent von RTL-Boss Helmut Thoma war und sich später als Rechtsanwalt in Grevenbroich selbstständig machte – will bei einem Rundgang ein lebendiges Bild seiner Jugendzeit zeichnen. Von damals, als Schulschwänzer vom Dorfsheriff – von allen nur „dä decke Krieger“ genannt – stundenlang in eine Arrestzelle gesperrt wurden. Oder von Aufenthalten im Eiscafé Ferrari, die von den Eltern unter allerstrengstes Verbot gestellt wurden.

„Wir gingen trotzdem hin – und spielten sogar Flipper, obwohl wir vom Gesetz her dafür noch viel zu jung waren“, schildert Spanier. Das Geld für den Automaten hatten sich die Jungs zuvor auf den Baustellen in Grevenbroich besorgt. „Wir haben Bierflaschen eingesammelt und sie im Kiosk am Rathaus in bare Münze verwandelt“, berichtet der 63-Jährige. Und irgendwie waren die „Nohbesch Jonge“ auch so etwas wie die Erfinder des Alko-Pops, als sie in Horst Beckers „Bierbrunnen“ gelbe Limo mit Puschkin mischten und diese Kreation „Brammi“ nannten. „Ein Teufelsgesöff“, sagt Ulli Spanier.

Der „Brammi“ wird Bestandteil der Führung sein, wenn es anschließend zur „After-Show-Party“ ins Haus Portz geht. Und zu Beginn des Rundgangs (18 Uhr, Bronzetiere am Markt) wird es für die Teilnehmer, so lange der Vorrat reicht, einen Windbeutel geben – in Anspielung auf den Spitznamen der Grevenbroicher. Anmeldungen für die erste alternative Stadtführung werden bis zum 15. März per E-Mail an goekoevents@t-online.de entgegen genommen.