1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Früher "in" - heute "out"

Grevenbroich : Früher "in" - heute "out"

Es gibt viele Dinge, die groß in Mode waren und in Vergessenheit gerieten. Der Trimm-dich-Pfad im Bend, gelbe Telefonzellen und Winnetou-Bücher verschwinden. Nur die Herrenhandtasche feierte ein kurzes Comeback.

Auf einmal war sie wieder da, wenn auch nur kurz, und ausgerechnet in Grevenbroich: die Herrenhandtasche. Hape Kerkeling trug sie in seiner Rolle als Horst Schlämmer. Auch wenn viele Grevenbroicher des kauzigen Reporters überdrüssig geworden sind, so zeigt die Herrenhandtasche doch ein Phänomen: Sie erinnert an Dinge, die verschwinden. Damit spiegelt sie kulturellen Wandel, das Verblassen einer Zeit und Mode. Ähnliche Beobachtungen lassen sich überall in der Stadt machen.

Aber es gibt weitere Dinge, die verschwinden: Zum Beispiel die Karl-May-Bände, die Stadtbücherei Mitarbeiterin Sarah Scheper zeigt. Foto: M. Reuter

Da ist zum Beispiel die Sache mit Winnetou. Einst war der Apachen-Häuptling aus der Feder von Karl May der Liebling Heranwachsender. Doch mittlerweile gehört Karl May in der Stadtbücherei zu den Ladenhütern: Seine Bücher sind kaum noch gefragt, sie verstauben im Regal. Ursula Göthling, Leiterin der Stadtbücherei, kennt weitere Autoren, deren Zeit abgelaufen scheint. "Heinz Günter Konsalik zum Beispiel wird kaum noch ausgeliehen", sagt Göthling. "Und auch von Utta Danellas Büchern trennen wir uns nach und nach." — Denn was niemand mehr lesen will, wird in der Stadtbücherei irgendwann ausgemistet, um Platz für neue Bücher zu schaffen.

Auch die gelbe Telefonzelle ist out. Foto: M. Reuter

Das Verschwinden wohlbekannter Dinge zeigt sich an vielen Orten. Die gute alte gelbe Telefonzelle findet sich in der Schloss-Stadt nur noch fünf Mal, insgesamt gibt es hier laut Telekom 35 öffentliche Telefone. Den gelben Häuschen machen vor allem Handys nach und nach den Garaus. Bei der Telekom ist man zwar überzeugt, dass die "Geschichte der Telefonzelle noch lange nicht zu Ende" ist. Aber wer im Bekanntenkreis fragt, wann zuletzt ein solches Häuschen genutzt wurde, erntet meist ein Schulterzucken. Immerhin: Manchmal erinnert sich doch jemand, die Telefonzelle genutzt zu haben — zum Unterstellen während eines Platzregens. Richtig, auch dafür ist sie gut.

Kaum noch Spuren finden sich vom Trimm-dich-Pfad, der einst im Bend angelegt war. In den 1970er Jahren hielt man sich dort fit, 30 Klimmzüge nach Feierabend, Slalomlauf und Bocksprung. Das klingt für die Latte-Macchiato-Generation in etwa so befremdlich wie das Ordern eines Kännchen Kaffees im Lieblingscafé. Vielleicht klingt "Ein Kännchen Kaffee, bitte" für junge Leute auch einfach nicht hip genug. Das ist bei Klimmzügen und Bocksprung nicht anders. Adieu, Trimm-dich-Bewegung.

Ebenfalls ein Relikt vergangener Tage scheinen Kaugummiautomaten zu sein. Dort Kaugummis zu kaufen ist wie eine Kassette mit Lieblingsliedern aufzunehmen oder statt einer Tüte ein Einkaufsnetz zu nutzen: Es wirkt wie aus der Zeit gefallen. Doch der Abschied von liebgewonnenen Dingen ist nicht immer ein scharfes Schwert: Es heißt bekanntlich, alles kommt wieder. Vielleicht sogar die Herrenhandtasche.

(NGZ)