Grevenbroich: Frimmersdorf: Blöcken droht ein früheres "Aus"

Grevenbroich : Frimmersdorf: Blöcken droht ein früheres "Aus"

RWE nimmt die unrentablen 300-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf ins Visier. Die Stadt hofft auf spätere Nutzung der Fläche für Industrie.

Den letzten Kraftwerksblöcken in Frimmersdorf droht ein früheres Aus. Bürgermeisterin Ursula Kwasny erwartet, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis das älteste Kraftwerk in Grevenbroich zurückgebaut wird. Dann soll das Areal für Industrie genutzt werden. Einen Technologiepark, etwa in Kooperation mit einer Hochschule, könnte sich SPD-Fraktionschef Horst Gerbrand dort vorstellen. Er mahnt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung bei RWE "möglichst frühzeitige Gespräche" an. CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser wäre zufrieden, wenn RWE diesen genehmigten Kraftwerksstandort aufgeben würde: "Es wäre gut, wenn die Stadt die Fläche für Industrie, etwa im 24-Stunden-Betrieb, nutzen könnte."

Während die drei BoA-Blöcke in Neurath und Niederaussem zu den flexibelsten und effizientesten von RWE gehören, werden unrentable, alte Blöcke geprüft. Dahinter steckt wirtschaftlicher Druck. Seit Januar 2013 hat RWE mehr als 12 600 Megawatt Kraftwerksleistung stillgelegt, darunter auch erst 2010 errichtete Werke. "Wir nehmen jeden einzelnen Block kontinuierlich unter die Lupe", sagte Vorstand Matthias Hartung gestern bei der Pressekonferenz auf Schloss Paffendorf. Wie 20 bis 30 Prozent anderer RWE-Kraftwerke rentiert sich Frimmersdorf nicht: Der Erlös deckt nicht die Kosten für Brennstoff, Kohlendioxid-Zertifikate, Wartung und Reparaturen.

Erst 2012 war in Frimmersdorf der letzte 150-MW-Block abgeschaltet worden. Einen genauen Zeitpunkt für die Stilllegung von "Paula" und "Quelle" konnte Dr. Ulrich Hartmann, als RWE-Vorstand verantwortlich für Braunkohlekraftwerke und Tagebaue, nicht nennen, aber: "Sobald eine größere Reparatur ansteht, fragen wir uns, ob sich diese Investition lohnt." Dr. Eberhard Uhlig, Kraftwerksdirektor für Frimmersdorf-Neurath, unterstreicht dies: "Wir stehen unter einem erheblichen Kostendruck."

Der Sturzflug der Großhandelspreise setzt RWE unter Zugzwang: Das Unternehmen reagiert mit dem Kostensenkungsprogramm "Neo" und mit Effizienzsteigerungen wie der Rauchgasentschwefelungstechnik "REAplus": Ab Sommer soll sie im benachbarten Niederaussem den elektrischen Eigenbedarf reduzieren. Auch Arbeitsplätze wurden abgebaut: Zum Ende des ersten Quartals arbeiteten 14074 Menschen in der Stromerzeugung in Deutschland, 669 weniger als im Vergleichszeitraum 2013. Im Rheinischen Revier wurden in Betrieben und Verwaltung 468 Stellen gestrichen (aktuell 9975 Beschäftigte).

Höhere Kosten für die Tagebaue befürchtet das Unternehmen, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformiert wird: "Wir müssten für den Strom, den wir in den Tagebauen für den eigenen Verbrauch erzeugen, bis zu 250 Millionen Euro Umlage zahlen", so Hartung. Er kritisiert: "Als müsste man für Kartoffeln aus dem eigenen Garten Mehrwertsteuer zahlen." Solche zusätzliche Belastungen seien nicht mehr zu verkraften: "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht."

(NGZ)
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