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Grevenbroich: Freibad droht Minusrekord

Grevenbroich : Freibad droht Minusrekord

Bislang kamen erst 7600 Besucher ins Freibad. Damit steuert es auf einen Minusrekord zu. Doch auch Stammgäste, die regelmäßig ins Freibad kommen, sind verärgert. Sie standen mehrmals vor geschlossenen Kassen.

Ursula Schneiders ist enttäuscht. Die 75-Jährige kauft sich alle vier Wochen eine Monatskarte für das Schlossbad, vor allem in den Sommermonaten. "Ich bin eine begeisterte Freibad-Besucherin", sagt sie. Doch in diesem Sommer stand sie schon drei Mal vor verrammelten Türen.

"Das ist mir auch schon an windstillen, sonnigen Tagen passiert." Mehrfach sei der Zugang zudem nur über das Hallenbad möglich gewesen. Der wechselhafte Sommer stellt nicht nur die Schwimmer, sondern auch die Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich (WGV) vor Probleme: In hübscher Regelmäßigkeit lassen sie die Freibadkassen witterungsbedingt geschlossen. Bislang kamen lediglich 7600 Freibadbesucher. Es droht ein neuer Minusrekord.

Dieser liegt noch bei 18 000 Besuchern. Das erklärt WGV-Geschäftsführer Rainer Baumgardt auf NGZ-Anfrage. "Ob die Freibadkassen an manchen Tagen wegen der Witterung geschlossen bleiben, entscheidet das Betriebspersonal", sagt Baumgardt. Die Mitarbeiter haben auch stets die Wettervorhersage im Blick.

Nachdem der Sommer fulminant begonnen hatte, scheint sich der Einbruch bei den Besucherzahlen nun zu halten. "In normalen Sommern haben wir zwischen 30 000 und 35 000 Besuchern", sagt Baumgardt. Das Freibad droht in diesem Sommer hinter solchen Zahlen weit zurückzubleiben. Der Spitzenwert ist längst utopisch. Er liegt bei 50 000 Besuchern.

Stammgäste wie Ursula Schneiders schreckt das Wetter nicht ab. Zwei bis drei Mal die Woche fährt sie von ihrem Wohnort Hemmerden ins Freibad. Dort zieht sie dann eine Dreiviertelstunde ihre Bahnen. Das Hallenbad ist für sie keine Alternative. "Ich mag die Luft darin einfach nicht."

Doch es ärgert Ursula Schneiders auch, wenn der Zugang zum Freibadbereich lediglich über das Hallenbad — und damit nicht auf direktem Weg — möglich ist. "Das bedeutet für Hin- und Rückweg 84 Stufen zu nehmen und zwei Mal die kleine und die große Schimmhalle zu durchqueren." Für manchen sei dies ein ganz schön beschwerlicher Weg. "Ich frage mich, wie Leute mit Hüft- oder Kniebeschwerden das schaffen sollen", meint Schneiders.

Dennoch äußert die begeisterte Schwimmerin auch Verständnis. "Selbstverständlich akzeptiere ich, dass das Freibad bei Gewitter, Sturm oder auch bei Dauerregen geschlossen bleibt." Doch das sei in den Fällen, die ihr bitter aufstoßen, nicht der Fall gewesen. An drei Sonntagen sei sie umsonst ins Bad gefahren. "Bei gutem Wetter", fügt sie hinzu. Ihre Befürchtung: "Muss ich jetzt jedes Mal vorher anrufen, ob das Freibad geöffnet ist"? — Dann könne sie mit ihrer Monatskarte nichts anfangen.

Die Freibad-Saison wurde Ende April eröffnet. Spätestens im September ziehen die WGV Bilanz. Es könnte ein Minusrekord sein.

(NGZ/rl)