Forschungsprojekte in rekultiviertem Tagebau

Rekultivierung in Grevenbroich: Junge Forscher entdecken Artenvielfalt

Jedes Jahr kommen neue Studenten – auch aus dem Ausland – in die Region. Mit Hilfe der Forschungsstelle Rekultivierung untersuchen sie Tiere und Pflanzen, die auf ehemaligem Tagebauland heimisch geworden sind.

Für die Natur und vor allem die Artenvielfalt auf rekultiviertem Tagebauland zu begeistern versteht Gregor Eßer, Leiter der Forschungsstelle Rekultivierung. Seit drei Jahren leitet der Geograph und Biologe die auf Schloss Paffendorf ansässige Forschungsstelle, wo sich neben den Exkursionen für die interessierte Öffentlichkeit auch mittlerweile ein Fachpublikum aus vielen Universitäten eingestellt hat. Eßer ist für viele Studenten eine Art von „Doktorvater“ geworden, der mit seinem Fachverstand und seiner mitreißenden Begeisterungsfähigkeit so manch eine Bachelor- und Masterarbeit mit begleitet hat.

Dabei ist es alles andere als ein „verstaubtes Bücherstuben-Wissen“, das die Studenten in der Forschungsstelle vorfinden. Im Gegenteil: So gut wie täglich geht es für die Studenten hinaus in die Natur, etwa auf die rekultivierten Flächen am Grubenrand auf Jüchener Gemeindegebiet, oder auf die Königshovener Höhe bei Grevenbroich.

Wie berichtet hat der Mönchengladbacher Stefan Neumeier seine Masterarbeit jetzt über Grauammern und andere Feldvögel geschrieben, deren Vorkommen er auf den Ländereien vor, während und nach der abgeschlossenen Rekultivierung untersucht hat. Er wird jetzt abgelöst von einer Studentin der Universität Göttingen, die innerhalb ihres dreimonatigen Praktikums die Echsenpopulationen auf Grevenbroicher und Jüchener Tagebau-Neuland untersucht und versucht, die einzelnen Populationen miteinander zu vernetzen. Dazu legt sie Totholz-Höhlen an.

Schon viele solcher Forschungsprojekte mit praktischen Resultaten hat Gregor Eßer betreut. Aktuell läuft eine studentische Forschungsarbeit der RWTH Aachen. Sie trägt den Titel „Entwicklung nachhaltiger Konzepte zur Nutzung von Bergbaufolgelandschaften – Umsetzung eines nachhaltigen Naturerlebnispfadkonzepts auf der Sophienhöhe des Braunkohlentagesbaus Hambach“ und ist als Masterarbeit im Studiengang Georessourcen-Management angelegt. Außerdem wird von der Forschungsstelle Rekultivierung eine Bachelorarbeit mit dem Titel „Untersuchung von Mikrohabitaten an Hochstubben auf der Sophienhöhe im rheinischen Braunkohlerevier” für den Studiengang Waldwirtschaft und Umwelt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg betreut.

Geforscht wird außerdem über das von „Verhalten von männlichen Haselmäusen in Umsiedlungsflächen“ für eine Masterarbeit an der Justus-Liebig-Universität Gießen oder zum Thema „Fledermausaktivität in verschiedenen Habitatstrukturen neu angelegter Ausgleichsmaßnahmen“ für eine Masterarbeit am Institut für Umweltplanung der Leibniz-Universität Hannover. Eine Promotion über die Haselmaus, ihr Verhalten und ihre Lebensraumansprüche ist außerdem in Arbeit für das Institut für Zoologie der Universität Hohenheim.

Im vergangenen Jahr forschten und schrieben ihre Arbeiten Studenten der Universitäten Bonn, Nürtingen und Gießen über „Höhlenbäume als Indikatoren für ökologische Parameter in der Rekultivierung“, die Feldlerchenbestände, „die Entwicklung der Humusvorräte von rekultivierten landwirtschaftlichen Nutzflächen unterschiedlichen Alters im Rheinischen Braunkohlerevier“, oder über den Artenreichtum von Brutvögeln.

Zurückgreifen können die Studenten bei ihren Arbeiten nicht nur auf das Fachwissen von Gregor Eßer. Ihm stehen im Team der Forschungsstelle weitere drei Diplom-Biologen, eine Geographin und ein Forstwirtschaftsmeister zur Seite. Dazu kommen auch ehrenamtliche Naturschützer, die in die Projekte Forschungsstelle mit eingebunden werden. Dies sind unter anderem der Arbeitskreis Heimischer Orchideen NRW, die Vegetationskundliche Gesellschaft Niederrhein, die NABU-Ortsverbände, die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz oder die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen.

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