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Grevenbroich: Finlay-Park verwahrlost

Grevenbroich : Finlay-Park verwahrlost

Wie geht Grevenbroich mit den Werken des bekannten Künstlers Ian Hamilton Finlay um? Diese Frage stellt Georg Penker. Der Architekt der Landesgartenschau 1995 ist unzufrieden mit dem Zustand des Skulpturen-Parks.

"Skandalös" — auf diesen kurzen Nenner bringt Georg Penker den Zustand des Parks zwischen dem Schloss und der Feuerwache. Der Architekt der Landesgartenschau hat sich auf dem von ihm entwickelten Areal umgesehen — und er ist entsetzt: "Es ist nicht zu glauben, wie Grevenbroich mit den Werken eines Künstlers von Weltruhm umgeht", sagt der Neusser kopfschüttelnd.

Eine einsame Stele im Wald: Auf ihr stand eine Rousseau-Büste. Foto: Jazyk, Hans

Gemeint sind die neun Arbeiten von Ian Hamilton Finlay, die 1995 im Kampers Wäldchen aufgestellt wurden. "Viele von ihnen sind heute nicht mehr zu sehen", sagt Penker: "Das Hölderlin-Zitat an den Teichen ist zugewachsen, die hölzerne Pergola verschwand ebenso wie die wertvolle Bronze-Büste des Dichters Jean Jacques Rousseau." Insgesamt, so das Empfinden des bedeutenden Landschaftsarchitekten, hinterlasse das Gelände einen recht verwahrlosten Eindruck.

Grün vor Algen: Eine Pyramide des Künstlers Ian Hamilton Finlay. Foto: Jazyk, Hans

"Hier sind dringend kontinuierliche Pflegearbeiten notwendig, die mit relativ wenig Geld umgesetzt werden können", rät Georg Penker, der in den 90er Jahren das gesamte Gartenschau-Gelände in Grevenbroich plante. Vor allem müssten Bäume und Sträucher zurückschnitten werden, damit die Kunstwerke zur Geltung kämen.

Architekt Georg Penker aus Neuss plante die Landesgartenschau 1995. Foto: Woitschützke, Andreas

"Finlays Arbeiten sind etwas ganz Besonderes", meint der Landschaftsarchitekt und kritisiert: "Ich glaube, dass das den Grevenbroichern nicht ganz so bewusst ist." Was Penker fordert: Der Skulpturenpark müsse wieder mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden — immerhin sei er so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt.

Andreas Sterken sieht das etwas anders: "Das Gelände genießt bei uns selbstverständlich einen hohen Stellenwert", erklärt der Rathaussprecher, räumt aber ein: "Sicherlich kann es nicht mehr in den Zustand wie vor 17 Jahren versetzt werden." Dafür seien die Kosten für die unter Finanznot leidende Stadt einfach zu hoch. Immerhin würden ihr die Wirtschaftsbetriebe jährlich eine halbe Million Euro für die Pflege des Gartenschau-Geländes in Rechnung stellen. "Mehr ist da nicht drin", so Sterken. Die Stadt sei aber bemüht, das Wäldchen und die Kunstwerke in Schuss zu halten.

Dies gelte auch für die von Georg Penker beanstandete Bronze-Büste. "Sie wurde von Dieben abgebaut und zum Abtransport vergraben — glücklicherweise wurde sie vorher entdeckt", schildert Sterken. Der Kopf von Rousseau werde im Depot der Wirtschaftsbetriebe sicher aufbewahrt. In Kürze soll die Büste wieder von einem Steinmetz wieder auf ihrem alten Platz montiert werden — und zwar diebstahlsicher.

(NGZ/ac)