Grevenbroich: "Findel-Schweine" werden für die Eifel fit gemacht

Grevenbroich : "Findel-Schweine" werden für die Eifel fit gemacht

Die drei Wildschweinfrischlinge sind wahre Sympathieträger. Wenn sie klein und wenige Wochen alt ihre Milch aus dem Fläschchen saugen, wird jedem warm ums Herz. Auch die drei Steinmarderwelpen sind in ihrem Alter sehr süß – aber wehe, sie beißen einem später den Autoschlauch durch.

Die Umweltstation Schneckenhaus hat über den Winter wieder zahlreiche verwaiste und verletzte Tiere aufgenommen. Durch die milden Temperaturen und den späten, dafür starken Frost gerieten ihre Lebensweise völlig durcheinander. "Frischlinge werden normalerweise Ende April, Anfang Mai geboren. Auch die Feldhasen haben bereits jetzt Junge. Anscheinend spielen die Temperaturvorgänge im Hormonhaushalt der Tiere eine Rolle", sagt Norbert Wolf, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Grevenbroich.

Die geschwächten Frischlinge hatten den Anschluss an ihre Rotte verloren. Drei bis vier Monate verbringen die "Findel-Schweine" in der Wildtierstation des Schneckenhauses. Die Fütterung ist problemlos. "Sie sind schon im jungen Alter sehr intelligent und wissen schnell, was es bedeutet, wenn jemand mit einer Flasche kommt", so Wolf.

Mit 30 Kilogramm Gewicht ziehen sie in den Hochwildpark Mechernich-Kommern (Eifel) um. "Dann sind sie robust genug, um sich in einer fremden Rotte etablieren zu können", erklärt Norbert Wolf. Während die jungen Wildschweine eine im Landhandel erhältliche Ferkelaufzuchtmilch bekommen, mischen die Mitarbeiter der Umweltstation für die anderen Tiere spezielles Futter. Dem Steinmarder schmeckt die Milch besonders gut mit Fencheltee.

Nach dem milden Winteranfang, folgten zweieinhalb Wochen Dauerfrost. Er schwächte auch die Mäusebussarde. Wenn sie keine Mäuse finden, fressen sie Regenwürmer. Diese sind aber in einem tief vereisten Boden schwer zu finden. Innerhalb kürzester Zeit wurden acht Greifvögel im Schneckenhaus eingeliefert.

Der Eiseskälte wäre auch ein Zicklein fast zum Opfer gefallen. Als Zwilling auf die Welt gekommen, fror das feuchte Neugeborene auf der Wiese fest und musste vorsichtig gelöst werden. Die Ziege wird nun genauso aufgepäppelt wie Igel und Fledermäuse, die aus ihrem Winterschlaf gerissen wurden. Durch Baumfällungen verloren einige Eichhörnchen ihre Behausung, ein Turmfalke erlitt einen Flügelbruch, ein Grünspecht überlebte einen Katzenangriff schwer verletzt. In den nächsten Wochen und Monaten sollen alle Findlinge gestärkt wieder in die Freiheit entlassen werden.

(NGZ)
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