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Grevenbroich: Feuerwehr: Politik will Skoda statt Audi

Grevenbroich : Feuerwehr: Politik will Skoda statt Audi

Die Politik greift in die Arbeit der Verwaltung ein: Sie will die Ausschreibungs-Unterlagen kontrollieren, bevor die Feuerschutz-Dezernentin Barbara Kamp den Kauf eines neuen Kommandowagens auf den Weg bringt.

Die Politiker wollen bei den Ausgaben der Feuerwehr künftig genauer hinschauen. Das wurde jetzt im Hauptausschuss deutlich. Dort entzündete sich die Diskussion daran, ob der von der Wehr angemeldete Kauf eines Kommandowagens für 60 000 Euro überhaupt erforderlich ist. "Jeder muss sparen - und das sollte auch bei der Feuerschutz-Dezernentin angekommen sein", kritisierte CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser nach der Sitzung. Er habe mittlerweile das Vertrauen in Barbara Kamp verloren - denn: "Sie legt die Kosten für die Feuerwehr nicht transparent genug dar." Aus seiner Sicht werde das "übliche Budget" überschritten.

Dass es Misstrauen gibt, wurde vor allem an einem Punkt deutlich: Ohne ein Okay der Politik darf die Feuerschutz-Dezernentin keine Ausschreibung für den neuen Kommandowagen auf den Weg bringen. Sie muss den Ausschreibungstext entweder dem Rat oder dem Hauptausschuss vorlegen, die Politiker werden dann die darin aufgeführten Kriterien überprüfen - vor allem, was die Kostenseite betrifft. "Das ist jetzt nicht mehr das Geschäft der laufenden Verwaltung", sagte Edmund Feuster (SPD). Seine Meinung: "Wir alle müssen in Grevenbroich den Gürtel enger schnallen, einschließlich der Feuerwehr."

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Der Kommandowagen sorgt für Wirbel, nachdem die UWG-Fraktion behauptete, dass sich die Feuerwehr einen schicken Audi Q5 gönnen möchte. Zwar wird das von der Verwaltung bestritten, doch die im Haushalt angemeldeten Kosten von 60 000 Euro empfinden die Politiker durch die Bank weg als zu hoch. Vor allem für eine Kommune, die in der Haushaltssicherung steht. "Ein Audi Q5 ist hier das falscheste Zeichen nach außen", meinte Edmund Feuster.

Außerdem wäre der rassige Ingolstädter auch nicht das geeigneteste Fahrzeug für die Wehr, wie Heinrich Bayer (CDU) betonte. Im Hauptausschuss zitierte er mehrere Auto-Zeitschriften, die dem Q5 zwar eine edle Ausstattung, aber nur eine geringe Geländetauglichkeit attestierten. "Der Asphalt-Dschungel ist das natürliche Revier des Nobel-SUVs", schloss Bayer. Sein Resümee: Nichts für die Feuerwehr.

Überhaupt sollte die sich einmal nach einem anderen Wagen umschauen, riet Wolfgang Kaiser, der sich für eine Kostendeckelung auf 45 000 Euro aussprach. Er lenkte den Blick auf die deutlich reichere Stadt Kaarst, die einen Skoda Yeti als Kommandowagen nutze - der sicherlich preiswerter zu haben sei als ein Q5.. Stimmt: Wie der Kaarster Feuerwehrchef Herbert Palmen gegenüber unserer Zeitung erklärte, habe sich das Geländefahrzeug mit rund 37 000 Euro im Stadt-Haushalt niedergeschlagen. Er sei "sehr zufrieden" mit dem Skoda, sagte Palmen.

Ist denn ein neuer Kommandowagen überhaupt notwendig? Das wollte André Thalmann (SPD) im Hauptausschuss wissen. Und auch Martina Suermann (Mein Grevenbroich) stellte diese Frage. Sie riet, vor einer Kauf-Entscheidung den längst überfälligen Brandschutzbedarfsplan abzuwarten, den Barbara Kamp zwar für den Spätsommer 2014 angekündigt hatte, der aber bis heute nicht vorliegt. "Da wird ja drinstehen, ob ein solches Fahrzeug erforderlich ist", meinte Suermann.

Wolfgang Kaiser kündigte gestern an, dass die CDU den nun für Februar avisierten Plan genauestens studieren wolle: "Wir werden darin alles auf seine Notwendigkeit hin überprüfen." So dürfe Kamp auch nicht damit rechnen, dass der Brandschutzbedarfsplan schon im März verabschiedet werde. "Wir lassen uns nicht treiben - ich sehe da keine Entscheidung vor Mai oder Juni", betonte der Fraktionschef.

(NGZ)