Grevenbroich: Feuer-Experiment in der City

Grevenbroich: Feuer-Experiment in der City

Das neue Haus des Bauvereins an der Montanusstraße wird zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Experiments. Mitten in der City werden mehrere Brände simuliert - im Dienste der Wissenschaft.

Drei Millionen Euro hat der Bauverein in ein Mehrfamilienhaus an der Montanusstraße investiert. Im nächsten Monat sollen die ersten von 18 barrierefreien Wohnungen bezogen werden. Bevor die Umzugswagen anrollen, fährt die Feuerwehr vor: Das Haus wird Mittelpunkt einer spektakulären wissenschaftlichen Übung. Sogar Experten aus Finnland und der Schweiz haben sich als Beobachter angesagt.

Der Hintergrund: Peter Hilgers feilt derzeit an einer Masterarbeit. Der städtische Brandschutz-Fachmann hat sich ein Thema vorgenommen, das noch weitgehend unerforscht ist: das Strömungsverhalten von Rauchgasen. "Wie breitet sich der Rauch bei einem Brand aus? Welche Drücke stellen sich ein? Was passiert beim Einsatz von Lüftern? Und wie gut sind die Evakuierungsmöglichkeiten? Auf diese und andere Fragen wollen wir eine Antwort geben", sagt Hilgers.

Ohne das geeignete Versuchsobjekt geht das allerdings nicht. Michael Nowak, Vorstand des Bauvereins, hat das neue Haus im Herzen der Innenstadt zur Verfügung gestellt: "Im Dienste der Wissenschaft", wie er meint. Schauplatz der Übung ist zunächst die 300 Quadratmeter große Tiefgarage. Dort wird ein Auto in Flammen aufgehen, in Sekundenschnelle soll sich der Rauch im Keller des Gebäudes ausbreiten.

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Großartig um das neue Mehrfamilienhaus sorgen müssen sich jedoch weder Michael Nowak noch Architekt Günter Quasten - denn: "Das Auto wird präpariert. Alle Teile werden herausgenommen, nur die Karosserie bleibt stehen", erklärt Peter Hilgers. Für das "Feuer" sorgen im Inneren versteckte Brenner, die sich im Nu ein- und ausschalten lassen, der Rauch wird mit Hilfe eines medizinischen Weißöls erzeugt. "Damit können ohne Gefahr realistische Bedingungen erzeugt werden", ist sich Hilgers sicher.

Damit der Versuch reibungslos funktioniert, hat er sich kompetente Hilfe an seine Seite geholt: Mitarbeiter des Instituts für Industrie-Aerodynamik an der Fachhochschule Aachen werden das Experiment begleiten und es ausführlich dokumentieren, etwa durch den Einsatz von Strömungs-Messgeräten und Videokameras. Das gilt nicht nur für die Tiefgarage, sondern auch für das Haus selbst. Auch dort soll ein "Brand" entfacht werden. "Es wird an diesem Tag mächtig rauchen", prophezeit Hilgers.

Etwa 20 Einsatzkräfte um Feuerwehr-Chef Udo Lennartz stehen bereit, um den Ernstfall zu proben. "Für uns ist das eine ideale Übung, bei der wir unsere Geräte gezielt einsetzen können. Wir werden daraus lernen", ist der Laacher überzeugt. Bei dieser Gelegenheit wird auch die neue, hochmoderne Wärmebildkamera eingesetzt. Sie ermöglicht es dem Leiter der Wehr, von außen den Vorstoß seines Trupps im Inneren zu beobachten. Lennartz kann das in diesem Fall ganz gelassen tun - denn für seine Jungs besteht keine Gefahr.