1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Fernwärme in Notfällen sichergestellt

Grevenbroich : Fernwärme in Notfällen sichergestellt

Für 5,2 Millionen Euro hat RWE Power im Kraftwerk Frimmersdorf eine Hilfskesselanlage gebaut. Sie soll die Fernwärmeversorgung sicherstellen, falls die 300-Megawatt-Blöcke "Paula" und "Quelle" einmal ausfallen.

Zum Jahreswechsel ging in Frimmersdorf die letzte von zwölf 150-Megawatt-Anlagen vom Netz. Übrig blieben die beiden 300-MW-Blocks "Paula" und "Quelle". Sie produzieren nicht nur Strom, sondern übernehmen jetzt auch alleine die Fernwärmeversorgung für die Nachbarorte Gustorf und Frimmersdorf.

Das birgt Risiken. Denn was passiert, wenn "Paula" für Wartungsarbeiten außer Betrieb genommen werden muss und "Quelle" gleichzeitig wegen eines technischen Defekts ausfällt? Müssen die Fernwärmekunden dann in ihren Häusern bibbern? Kommt dann nur eiskaltes Wasser aus der Dusche? Bei den derzeit herrschen Minustemperaturen wahrlich kein schöner Gedanke.

"Dieses Szenario wird nicht geschehen, wir haben rechtzeitig vorgesorgt", versichert Diplom-Ingenieur Klaus Bierbaum (55), der für den Blockbetrieb in Frimmersdorf zuständig ist. Während die Stromversorgung bei einem Komplettausfall der beiden 300-Megawatt-Anlagen über den Kraftwerksverbund sichergestellt werden kann, hat RWE Power für die Fernwärme eine lokale Lösung gefunden: Für rund 5,2 Millionen Euro wurde eine große Hilfskesselanlage gebaut.

Dass das Geld gut angelegt ist, davon zeigt sich Schichtführer Erwin Bethke (56) überzeugt: "Da wir nach dem Abschalten der alten Blöcke nicht mehr so viel Dampf produzieren wie früher, wird eine solche Anlage unbedingt gebraucht." Denn sie stelle die Versorgung der etwa 400 Fernwärmekunden in der Nachbarschaft sicher, falls beide 300-MW-Anlagen einmal abgeschaltet werden müssten.

Im Sommer 2005 kam es zu einem solchen Zwischenfall: Nachdem in der Leitwarte des Kraftwerks ein Feuer wütete, mussten sämtliche Blöcke für mehrere Tage vom Netz genommen werden. Damit fiel auch die Fernwärmeversorgung in Gustorf und Frimmersdorf aus. RWE behalf sich damals mit einem gigantischen Heizwassererzeuger der per Schwertransporter angeliefert und ans Versorgungsnetz angeschlossen wurde.

"Auf solche Provisorien sind wir nun nicht mehr angewiesen", sagt Klaus Bierbaum mit einem Blick auf die neue Anlage mit dem 70 Meter hohen Schornstein. Herzstück des Bauwerks sind zwei große, jeweils 61 Tonnen schwere Kessel. Sie fassen insgesamt 90 Kubikmeter Wasser, das mit Hilfe von leichtem Heizöl innerhalb von 20 Minuten auf die ideale Fernwärme-Temperatur gebracht wird.

Alleine die Heizfläche ist gigantisch: Sie umfasst 1120 Quadratmeter. Preiswert ist dieses Verfahren allerdings nicht. Denn der Brennstoffverbrauch pro Kessel liegt bei etwa 24 Kubikmetern Heizöl — in der Stunde wohlgemerkt. "Das ist eine recht teure Art der Dampferzeugung", meint Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Dürselen (58), der für die Anlagentechnik im Kraftwerk zuständig ist.

Fertiggestellt wurde die Hilfskesselanlage bereits im Sommer des vergangenen Jahres. Im Herbst wurde sie zum ersten Mal eingesetzt, als die beiden 300-Megawatt-Blöcke für acht Stunden von der Stromversorgung genommen werden mussten. Voraussichtlich Mitte April wird sie "stand by" stehen, wenn Block "Quelle" für die Hauptuntersuchung für einige Tage stillgelegt werden muss und "Paula" alleine am Netz bleibt.

(NGZ/rl)