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Grevenbroich: Feinstaub-Problem verschärft

Grevenbroich : Feinstaub-Problem verschärft

Die Messstation am Tagebaurand hat 2011 bereits an 24 Tagen Feinstaub-Mittelwerte über 50 Mikrogramm ermittelt, so viel wie 2010 insgesamt. Politiker sehen Handlungsbedarf. Behörden nennen das Wetter als einen Grund.

Mit dem bloßen Auge ist er nicht sichtbar, aber er beschäftigt Behörden und Politiker: Feinstaub, der zu Erkrankungen führen kann. Der Messcontainer des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Gindorf hat in diesem Jahr bis zum 30. März bereits 24 Überschreitungen des Tagesmittelwerts von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft gemessen — so viele wie 2010 insgesamt. Nur 35 Überschreitungen im Jahr sind erlaubt. "Der Feinstaub muss reduziert werden, wir sollten mit RWE Power über weitere Maßnahmen sprechen", sagt SPD-Vizefraktionschef Holger Holzgräber. Auch Willibert Müller, Ratsherr der Aktiven Bürger (ABG), meint: "Die Belastung ist extrem hoch." Auch er sieht RWE in der Pflicht.

Ein Hauptverursacher in Grevenbroich ist der Tagebau. Nach jeweils 46 Überschreitungstagen 2006 und 2007 wurden die Behörden aktiv. Ein Aktions- und dann ein Luftreinhalteplan traten in Kraft. RWE investierte in Abdeckungen, Berieselungs- und Reinigungsanlagen. "Bislang gehen wir davon aus, dass die Maßnahmen greifen", so Stefanie Paul, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf.

Woran liegen dann die Überschreitungen? Auch Paul spricht von einer "stattlichen" Zahl: "Wir haben in diesem Jahr eine sehr untypische meteorologische Situation. Zunächst hatten wir einen harten Winter mit vielen Inversionswetterlagen, bei denen kalte Luftschichten nicht durch darüber liegende wärmere entweichen können. Und dann folgte recht früh trockenes Wetter". LANUV-Sprecher Peter Schütz bestätigt: "Wegen der Witterung hatten wir tendenziell an unseren rund 60 Messstationen in NRW höhere Werte". "Spitzenreiter" ist die Station in Herne mit 36 Überschreitungen.

Wie geht's weiter? "Wir behalten die Entwicklung im Blick", sagt Stefanie Paul von der Bezirksregierung, und Peter Schütz erklärt: "Wir müssen den Jahresverlauf auswerten. Bei mehr als 35 Überschreitungstagen müssen wir Ursachen und Maßnahmen prüfen", der Luftreinhalteplan sei nicht statisch. "RWE Power hat alle im Luftreinhalteplan festgelegten Maßnahmen umgesetzt", so Unternehmenssprecher Manfred Lang. Er betont: "Der Tagebau ist für etwa ein Viertel des Feinstaubs verantwortlich. Im Reinhalteplan müssen auch andere Emittenten berücksichtigt werden."

Auch die Europäische Union hat die Feinstaubentwicklung im Blick. Sie hatte 2010 eine Fristverlängerung zur Einhaltung der Grenzwerte gewährt — doch die Frist endet im Juni. "Werden die Grenzwerte danach nicht eingehalten, können Strafzahlungen für Deutschland die Folge sein", so Peter Schütz.

(NGZ)