1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Feinstaub aus der Luft bekämpfen

Grevenbroich : Feinstaub aus der Luft bekämpfen

Die Firma "Wolkenwacht" will Flugzeuge gegen den Feinstaub in Grevenbroich einsetzen. Die Maschinen sollen ihre Wasserladungen über dem Tagebau und dem RWE-Kohlebunker versprühen.

Grevenbroich kämpft seit vielen Monaten mit einem Luftreinhalteplan gegen die Feinstaub-Problematik. Der Stadt kann geholfen werden, sagen nun Lambert Harings (48) und Eric Neumeister (40). Der Physik-Ingenieur aus Linnich und der Wirtschafts-Jurist aus Düsseldorf werden in diesem Monat die Firma "Wolkenwacht" gründen. Das Ziel der Tüftler: Mit Hilfe von Flugzeugen wollen sie Fein- und Braunkohlestaub rund um den Tagebau Garzweiler bekämpfen.

Die Idee: Aufsteigende thermische Winde werden von den Maschinen der "Wolkenwacht" angeflogen und mit Flusswasser besprüht. "Die Energie der Thermik, die das Wasser aufheizt, wird auf diese Weise verbraucht", erläutert Lambert Harings. Der Effekt: Die Aufwinde würden für eine längere Zeit gestoppt, der Staub aus Tagebau und Kohlebunker würde die von RWE Power am Grubenrand aufgestellten Wassersprüher nicht mehr übersteigen. "Damit wäre ein grundlegendes Luftreinhalte-Konzept verwirklicht", meint Eric Neumeister optimistisch.

Zurzeit scharen die beiden Firmengründer interessierte Piloten um sich, erste Flugzeuge seien so gut wie startklar. In der engeren Auswahl für die Feinstaub-Luftflotte stehen die polnischen Agrar-Maschinen "Dromadar" und "Kruk" sowie eine Cessna Supercargo. Der Vorteil dieser Maschinen: "Sämtliche Flugzeuge verfügen über Wassertanks", erklärt Lambert Harings, der seit seinem 16. Lebensjahr ein begeisterter Segelflieger ist.

Um die aufsteigende Thermik wirkungsvoll zu bekämpfen, sind nach seinen Berechnungen lediglich zwei Kubikmeter Wasser notwendig. "Die Flugzeuge werden mit Düsen ausgerüstet, die etwa 1,8 Liter Flüssigkeit pro Minute abgeben — damit kommen wir aus", betont Harings.

Damit die Maschinen mit Wasser beladen werden können, sei allerdings ein Landeplatz in der Nähe der Erft wünschenswert. Wir stehen derzeit in Kontakt mit der Bezirksregierung, um eine Sondergenehmigung zu erhalten", erläutert der Physik-Ingenieur.

Ganz preiswert sind die Dienste der "Wolkenwacht" allerdings nicht zu haben. Harings und Neumeister rechnen damit, dass der Kampf gegen den Feinstaub jährlich rund 2,5 Millionen Euro kosten wird. "Die Finanzierung könnten mehrere Partner übernehmen", meinen die Firmengründer. In Frage kämen etwa RWE Power, die Bezirksregierung, der Rhein-Kreis oder aber die Stadt, die ein Teil ihrer Konjunkturpaket-II-Gelder in den Flugzeug-Einsatz stecken könnte.

Bürgermeisterin Ursula Kwasny hat den beiden Tüftlern aber bereits einen Korb gegeben. Die KII-Mittel seien bereits seit längerer Zeit vergeben — und in die Sanierung etwa von Schulen und Kindergärten bestens angelegt.

(NGZ)