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Fastenzeit in Grevenbroich: Das Aschenkreuz steht für Veränderung

Fastenzeit in Grevenbroich : Das Aschenkreuz steht als Zeichen für Veränderung

Erst die große Sause: der Karneval. Ausschweifung und Besäufnis. Lust und Lachen. Rollentausch und Verkleidung. Das war jetzt seit einigen Wochen das Programm. Im Rheinland sowieso. Am Aschermittwoch schlägt das Pendel mindestens ebenso heftig um, in die andere Richtung.

Für die meisten Menschen steht die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern für den völligen Verzicht.

Nichts Süßes mehr, keine Schokolade und bloß kein Tröpfchen Alkohol. Ausgerechnet aus dem Kloster Landwaden erwächst nun ein Fragezeichen an eine solch verkürzte Sicht der Fastenzeit.

Wenn Prior Bruno Robeck in der Heiligen Messe, heute um 7.50 Uhr, den Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn zeichnet, würde er ihnen gerne einen anderen Blick auf die Fastenzeit mitgeben: „Es geht dabei nicht allein um den Verzicht. Sondern um eine Vorbereitung auf Ostern. Und die liegt in dem Gedanken, etwas am eigenen Leben zum Besseren verändern zu können.“ Wenn es also um persönliche Veränderungsbereitschaft geht, würde die Zeit vor Ostern bedeuten, mehr von dem zu tun oder aufzunehmen, das einem wirklich guttut. Bruno Robeck sagt es so: „Wer verzichtet schon gerne auf etwas? Wenn ich aber etwas mehr von dem mache, das mir guttut, dann ergibt sich der Verzicht automatisch.“

Das kann – natürlich – auch mit dem Bereich Essen und Trinken zu tun haben. Der Konvent des Klosters Langwaden, acht Brüder des Zisterzienser-Ordens, wird die nächsten Wochen zum einen den süßen Nachtisch an den Werktagen weglassen, kündigt Prior Bruno Robeck an. Und auch montags fleischlos speisen – nicht nur mittwochs und freitags, wie es der Speiseplan des Klosters zu allen anderen Jahreszeiten vorsieht.

Die fünf Gebetstermine und Heiligen Messen pro Tag gehen für die Brüder weiter – so wie bisher. Zugleich aber werde man die Lesung intensivieren. „Dabei wird sich jeder meiner Mitbrüder ein Buch aussuchen. Wir werden zweimal wöchentlich gemeinsam in der Kapelle lesen.“ Zunächst jeder der Mitbrüder still für sich. In der Karwoche werden die acht Mitbrüder einander über ihre Bücher und ihre Erfahrungen berichten. Wurden die Erwartungen an die Lektüre erfüllt? Welchen Impuls zum Nachdenken kann man anderen nach der Lektüre mitgeben? Robeck freut sich besonders auf diese Runde: „So wird die Fastenzeit zur Bereicherung für uns alle.“

Vorsichtige Gegenfrage: Wäre es schlimm, dies als zu kleinen Schritt innerhalb der Fastenzeit zu empfinden? Der Prior hält einen Moment inne: „Nein. Eigentlich findet sich bei allen spirituellen Vordenkern derselbe Gedanke: Viele kleine Schritte ergeben einen Weg. Wer ganz allein ein Feld umgraben will, sollte zunächst an einer Ecke anfangen. Und erst den nächsten Spatenstich tun, wenn dort alles blüht. Wer stattdessen gleich das ganze Feld umgräbt und dann brachliegen lässt, fördert damit nur das weitere Wachstum von Unkraut.“

Die Konzentration auf die vielen, kleinen Schritte verhindere auch den schmerzlichen und demotivierenden Januar-Effekt, den viele Menschen bereits erlebt haben, sobald sie sich in der Silvesternacht für ein neues Jahr eine grundlegende Veränderung vorgenommen hatten. Schon nach wenigen Tagen waren die guten Vorsätze vergessen. Wer sich zu viel auf einmal vornehme, programmiere damit das Scheitern und den Rückfall in alte Gewohnheiten. Aus diesem Grund rät Prior Bruno Robeck zu den vielen kleinen Schritten.  „Stattdessen wollen wir in der Fastenzeit offen sein für nachhaltige Veränderungen“, rät Prior Robeck.