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Grevenbroich: Familien helfen Brasilien

Grevenbroich : Familien helfen Brasilien

Seit 20 Jahren organisieren die Familien Berg und Lüderitz aus Langwaden Spenden für Kinder in Brasilien. Erst als private Initiative, dann als Verein konnten 300 000 Euro gesammelt und Patenschaften vermittelt werden.

Langwaden Ein eigenes BrasilienBüro im Keller mit dicken Aktenordnern, viele Stunden Arbeit, noch mehr Briefe, Emails und Fotos – seit nunmehr 20 Jahren organisieren die Langwadener Familien Berg und Lüderitz Spenden für Kinder in Brasilien. Begonnen haben sie als private Initiative, gründeten dann einen Verein Brasilienhilfe. "Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, dass wir bis heute mehr als 300 000 Euro gesammelt haben – ich hätte ihm nicht geglaubt", sagt Simone Lüderitz.

Spenden sammeln die Langwadener für rund 250 Mädchen und Jungen, die in der Kindertagesstätte "Crêche Menino Jesus" in Maringa, im Süden Brasiliens betreut werden. "Helfen kann man in Brasilien eigentlich überall", sagt Simone Lüderitz. Sie hat im südamerikanischen Land 1990 für drei Monate gelebt: Nach der Zwischenprüfung – die damals 23-Jährige studierte Latein und Religion auf Lehramt – nahm sie das Angebot eines Freundes der Familie an und besuchte ihn. Die Armut in Brasilien, gepaart mit unbändiger Lebensfreude, beeindruckte die junge Frau aus Langwaden so sehr, dass sie lange Briefe an ihre Mutter Isolde und ihre Schwester Yvonne schrieb. Mit jedem Brief ihrer Tochter war Isolde Berg mehr davon überzeugt, den "Menschen helfen zu müssen".

"Wir haben uns damals bewusst entschieden, uns für Gesundheitsprojekte und Kinder zu engagieren", sagt Yvonne Berg (34). Denn Kinder stellten die Zukunft eines Landes dar. "Der Nachwuchs im Kindergarten stammt aus ärmlichen Verhältnissen; ihre Eltern arbeiten in Reis- oder Kaffeefabriken", erzählt Simone Lüderitz. In der Creche würden sie mit Mahlzeiten und ärztlicher Behandlung versorgt, auf eine Ausbildung vorbereitet und gefördert. Zwei Generationen konnten unterstützt werden.

Ob Verzicht auf Hochzeitsgeschenke, Sammlungen oder Einnahmen aus Benefizkonzerten von Mezzosopranistin Yvonne Berg, die heute in Bayreuth lebt: Viele Verwandte, Freunde und Nachbarn haben gespendet. Erfolge motivieren: Etwa bei Jefferson, der wegen einer Muskelschwäche nicht stehen konnte. Eine Behandlung half ihm: "Als wir das erste Foto von ihm sahen, auf dem er stand, waren wir alle glücklich", erinnert sich Yvonne Berg.

Jeder in der Familie hat seine Aufgabe: Isolde Berg kümmert sich um Vereinsarbeit und Post, ihr Mann um die Zustellung, Matthias Lüderitz hilft bei den Finanzen, auch Tochter Berit engagiert sich. Inzwischen ist der Kontakt unkompliziert: Emails ersetzen die Luftpost. Und Isolde Berg, für die die Brasilienhilfe ein Herzensprojekt ist, hat wieder Arbeit im "Brasilien-Büro".

(NGZ)