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Grevenbroich: Fallersleben in Grevenbroich

Grevenbroich : Fallersleben in Grevenbroich

Hoffmann von Fallersleben war 1855 in Grevenbroich. Der Schöpfer der Nationalhymne war von seinem Besuch so begeistert, dass er ihn in seiner Biografie erwähnte. Herausgefunden hat das Heimatforscher Manfred Ganschinietz.

Er schrieb mehr als 550 Lieder. "Alle Vögel sind schon da" stammt ebenso aus seiner Feder wie "Ein Männlein steht im Walde" und "Morgen kommt der Weihnachtsmann". Sein bekanntester Text: "Das Lied der Deutschen", dessen dritte Strophe die Nationalhymne der Bundesrepublik ist. Was kaum jemand weiß: Der Dichter Hoffmann von Fallersleben besuchte die Stadt Grevenbroich. Und offensichtlich war er von seiner Visite so angetan, dass er sie in seiner Biografie "Mein Leben" erwähnte.

Dieses kleine, für die Stadt sicherlich nicht unwichtige Detail hat Manfred Ganschinietz entdeckt. "Es war ein Zufallsfund", gibt der Heimatforscher zu. Über den Internet-Service "Google Books" stieß er auf die Biografie des 1798 geborenen Dichters, stöberte in dem umfangreichen Werk und wurde im sechsten und letzten Band fündig: "Da war auf einmal der Name Grevenbroich am Kopf der Seite zu lesen", schildert Ganschinietz.

Tatsächlich: Ab Seite 91 schildert Hoffmann von Fallersleben von seinem Besuch in der Schlossstadt. Am 5. August war er auf Einladung des Industriellen Carl Julius Schmölder in Grevenbroich, der eine große Spinnerei in der Elsener Mühle betrieb – dort, wo sich heute die Stadtparkinsel befindet. Und an dieser Stelle gab der bekannte Dichter sogar eine Kostprobe seines Könnens – denn er schreibt: "Den Mittag erfreute ich die Gesellschaft mit einem Trinkspruch auf ein anwesendes Brautpaar: Paul Audojer und Clärchen Schmölder."

Von Fallersleben zitierte unter anderem folgende Zeilen: "Das ist die wahre Frühlingszeit, der Erde Himmelseligkeit. Wenn ein Herz das andre sucht und findet und sich zu einem Herz verbindet. Nach ihm sich sehnet und ringet und strebt, in ihm sein eigenes Leben lebt. Und dann am allerglücklichsten ist, wenn es im andern sich selbst vergisst. . ." Es wurde jedoch nicht nur gut gegessen und getrunken, der Dichter schaute sich auch in der Umgebung um: "Nach Tische besuchten wir die Nachbaren, die Brüder Uhlhorn, und sahen erst des einen Münzprägemaschine, dann des anderen Wollkratzenfabrik, beides bewundernswerthe Werke eigener Erfindung", staunte er.

Diedrich Uhlhorn war seinerzeit weithin bekannt: Mit seiner Erfindung entwickelte er das auch heute noch gültige Prägeverfahren für Münzen – der Prototyp der Maschine steht im Kellergewölbe des Grevenbroicher Museums. "Für den Kenner und Freund des Maschinenwesens und der Mechanik ist hier in der ganzen Gegend viel zu sehen und zu bewundern", schrieb Hoffmann von Fallersleben. Die darauffolgende Nacht verbrachte der Dichter jedoch in Rheydt.

In welcher Verbindung von Fallersleben zu der Familie Schmölder stand, ist unbekannt. Manfred Ganschinietz hat zwar einen Nachfahren der Rheydter Industriellen in Dortmund ausfindig gemacht – doch: "Auch für ihn war das Thema neu", sagt der Heimatforscher. Ganschinietz will nun seine Recherchen fortsetzen. Für das Jahrbuch der Bürgerschützen, das kurz vor dem Schützenfest herausgegeben wird, hat er seine bisherigen Ergebnisse zusammengefasst.

(NGZ)