Fairtrade in Grevenbroich braucht Unterstützung.

Fairtrade in Grevenbroich : Fairer Handel braucht junge Unterstützung

Grevenbroich will Fairtrade-Stadt werden. Einige wenige Gastronomen, Händler und Kunden sind schon dabei. Vor allem junge Bürger sind bisher noch verhalten.

„Wichtig ist, dass Werbung dafür gemacht wird“, sagt Monika Schäfer, die gemeinsam mit ihrem Mann den Eine-Welt-Laden des Pfarrverbandes Elsbach/Erft in Stadtmitte betreibt. „Erschreckend wenig kaufen die Produkte. Wenn wir davon leben müssten, wären wir längst verhungert.“ Früher sei deutlich mehr gekauft worden. Heute habe sich der Laden spezialisiert: Kaffee, Tee, Honig, Schokolade und Mango sind gefragt. „Ich biete Sachen an, die ich auch selber esse.“

Maria Wego kauft seit mehr als 20 Jahren Produkte aus dem Laden am Ostwall, besonders Honig. „Ich mache einfach alles mit Honig. Ich brauche ihn im Kaffee und nutze ihn zum Kochen“, sagt die 79-Jährige. Sie selber habe einen Handwerksbetrieb, und ohne Kundschaft gehe es nicht. Man müsse auch immer weiter denken. „Es tut mir leid, wie die Menschen in der Dritten Welt zurecht kommen müssen. Ich möchte, dass sie dort Arbeit haben und leben können.“ Deshalb sei es wichtig zu helfen. Sie glaube, dass auch junge Menschen das aufnehmen, nur nicht direkt umsetzen. „Früher gab es eben auch nicht einen solchen Überfluss an Angeboten.“

Nur was junge Menschen kaufen möchten, weiß Monika Schäfer nicht. „Ich habe da kein Gefühl für.“ Marion Schroers und Robert Jordan, damals Stadtmarketing-Beauftragter, hatten vor etwa zwei Jahren eine Idee: „Grevenbroich-Kaffee“. „Fairtrade und Bio sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich finde es aber gut, dass der Kaffee beide Kriterien erfüllt“, sagt Schroers – und das kommt scheinbar an.

Hergestellt in einer Kaffeerösterei im Marburger Land, die auch regelmäßig die Kaffee-Plantagen besucht, wird der Kaffee in der Genussfaktur in Wevelinghoven verkauft. „Der Verkauf läuft gut“, sagt Inhaber Andreas Lang. Die Kunden finden den Namen spannend, und dass es ein fair gehandelter Kaffee sei. Drei bis vier Kilo verkaufe er in der Woche. Ob er noch weitere Produkte wie zum Beispiel Tee in sein Sortiment aufnehme, hänge auch davon ab, wie es mit dem „Fairtrade-Town“ weitergehe.

Um eine faire Stadt zu werden, braucht Grevenbroich unter anderem sieben Gastronomen, die mindestens zwei Produkte anbieten. Diese sucht die Stadt aktuell besonders. „Das Interesse an Fairtrade ist sehr groß. Es ist aber unübersichtlich geworden, welche Produkte dazugehören“, sagt Stadtsprecher Stephan Renner. Deshalb sei besonders eine Zertifizierung notwendig. Zunehmend sei auch Werbung auf Events geplant. „Beim Beachsoccer-Turnier an der Playa werden zum Beispiel fair gehandelte Fußbälle benutzt.“

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