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Grevenbroich: Experten helfen Angehörigen von Demenzkranken mit Ratschlägen

Grevenbroich : Experten helfen Angehörigen von Demenzkranken mit Ratschlägen

Die Fragen, die die Angehörigen bei der Gesprächsrunde "Demenz heute" stellen, sind unterschiedlich: "Wie verhalte ich mich, wenn mein Vater und meine demenzkranke Mutter immer wieder streiten?" oder "Was soll ich tun, wenn meine kranke Angehörige ständig beschäftigt werden will?" Das sind Problemstellungen, mit denen sich die Betroffenen auseinandersetzen. Diplom-Sozialarbeiterin Beate Müller von der Caritas und Eckehard Drees, Facharzt für Nervenheilkunde, bieten einmal im Quartal die Runde im NeuroCentrum an, um Tipps zu geben, aber auch, um den Angehörigen eine Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen.

"Die Leute kommen schnell ins Gespräch", sagt Drees, schließlich hätten sie ein gemeinsames Thema. Zehn Interessierte sind diesmal gekommen. Einige stehen noch ganz am Anfang mit der Demenzdiagnose bei ihrem Familienmitglied, andere pflegen schon länger. Als Leitthema wählen Drees und Müller das Netzwerk, das Angehörige benötigen, um ihre Situation zu meistern. Müller schildert das Beispiel eines Demenzkranken, der immer eine bestimmte Runde durch die Stadt drehte und dabei Geschäfte besuchte. Die Schwiegertochter habe die Ladeninhaber über seinen Gesundheitszustand informiert und Rechnungen, etwa in Cafés, zum Ende des Monats beglichen, so dass der Mann weiter seine gewohnten Wege gehen konnte, ohne dass es zu Problemen kam. Solche Netzwerke, so Müller, könnten eine große Hilfe sein. Gemeinsam mit den Angehörigen arbeiten sie und Drees heraus, dass insbesondere die Familie, aber auch Freunde, Nachbarn, Ärzte, Organisationen und andere Betroffene für Austausch, Hilfe und Entlastung sorgen können. In diesem Zusammenhang weisen die Experten auch auf das Demenznetz Grevenbroich hin, in dem Angebote und Dienste gebündelt sind.

Drees und Müller betonen immer wieder: "Wer pflegt, muss sich selbst pflegen." Die Angehörigen sollten auf sich Acht geben, sich Freiräume und Entlastung verschaffen, denn wenn der pflegende Angehörige nicht mehr könne oder gar sterbe, sei den Demenzkranken nicht geholfen. Beim Umgang mit den Erkrankten rät Drees: "Wichtig ist die klare Ansage", es sei ein wenig wie bei der Kindererziehung. Lange Diskussionen führten meist zu nichts. Auch Müller plädiert dafür, Dinge selbstbewusst aber mit Gefühl an die Betroffenen heranzutragen. Auch bei kleinen Tricks und Notlügen ist die Sozialarbeiterin pragmatisch: "Wenn es funktioniert und liebevoll ist, ist es in Ordnung."

Klaus Menzel, der seine Frau bis zu ihrem Tod gepflegt hat, bringt immer wieder Beispiele aus seinen Erfahrungen ein. Er betont: "Man muss begreifen: Der Mensch kann nichts dafür." Auch meint er, dass sich Angehörige manchmal unnötig Sorgen machen. So habe er seine Frau einmal einige Wochen in Kurzzeitpflege gegeben und sich viele Gedanken darüber gemacht: "Als ich sie abgeholt habe, war nach ein paar hundert Metern im Auto die Kurzzeitpflege vergessen."

(arr)