1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Ex-Stadtdirektor: Gartenschau hat keine Lobby im Rathaus

Gartenschau-Teich soll Beet werden : Ex-Stadtdirektor - Gartenschau hat keine Lobby im Grevenbroicher Rathaus

Weil die Folie undicht und eine Reparatur zu teuer ist, will die Stadt den großen Teich im Landesgartenschau-Gelände aufgeben. Das Gewässer soll zu einer Grünfläche umgestaltet werden – das ärgert den ehemaligen Stadtdirektor Heiner Küpper.

Gemeinsam mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten Hans Gottfried Bernrath war er in den 90er Jahren maßgeblich verantwortlich für die Landesgartenschau (LaGa).

„Vor drei Jahren wurden die letzten Blumenbeete abgeschafft, in den Jahren zuvor ein gestohlenes Kunstwerk an der Erftgalerie nicht ersetzt. Jetzt wird der Teich im Stadtpark zur Grünfläche. Spätestens damit verabschiedet man sich von der Konzeption der Gartenschau und behandelt das Gelände wie jede beliebige Fläche in der Stadt“, ärgert sich der ehemalige Verwaltungschef.

Die jetzt zur Disposition stehende Wasserfläche sei ein wichtiger Baustein in der Konzeptions des Gartenschau-Planers Georg Penker gewesen, bei der es um Variationen zum Thema „Zivilisation und Natur“ ging. „Ich weiß nicht, ob sich heute im Rathaus Verantwortlichen mit diesem Konzept eingehend beschäftigt haben“, betont Heiner Küpper. Er sei „gerne bereit, diese Konzeption der Landesgartenschau jedem zu erläutern“.

Er sei nicht begeistert vom Abbau des Teichs – „aber letztlich ist es das Recht jedes Stadtrates, zu entscheiden, wie mit den Grünflächen umgegangen wird“, meint Küpper. Seiner Meinung nach verliere die Stadt aber mit jeder kleinen Maßnahme weiter an Strahlkraft. „Jeder kann sich jetzt schon vorstellen, wie sich der Stadt- und der Finlay-Park aussehen werden, wenn in absehbarer Zeit die Folien in den übrigen Wasserflächen nach mehr als 25 Jahren ebenfalls undicht werden“, sagt Küpper. Diese Entwicklung bedauere er. Sein Fazit: „Das Gartenschaugelände hat leider keine ausreichende Lobby im Rathaus. Das müssen die Bürger zur Kenntnis nehmen. So werden wir auf Dauer in unserer schönen Stadt an Qualität verlieren.“

Die Verwaltung hatte auf eine Instandsetzung des Teichs aus finanziellen Gründen verzichtet. Es würde rund 40.000 Euro kosten, um das Gewässer mit einer neuen Folie auszurüsten – das wäre zu teuer, argumentierte Stadtsprecher Stephan Renner in dieser Woche. Der Teich ist bereits leer gelaufen, in Kürze soll er ausgebaggert und zu einem großen Beet umgewandelt werden.

Das ist nicht die einzige Baustelle: Auch der Teich hinter dem Haus Hartmann, der in den vergangenen 25 Jahren schon vielen Brautpaaren als Hochzeitsfoto-Motiv diente, verliert Wasser. Noch steht nicht fest, ob die Stadt die ebenfalls marode Folie erneuern wird.