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Grevenbroich: Ex-Kämmerer mit Kölschdiplom

Grevenbroich : Ex-Kämmerer mit Kölschdiplom

16 Jahre lang war er Kämmerer der Stadt Grevenbroich – und zwar einer der ernsten Sorte. Die andere Seite des Bernd Schotten: Mit 65 Jahren hat er an der "Akademie för uns kölsche Sproch" sein Diplom abgelegt.

16 Jahre lang war er Kämmerer der Stadt Grevenbroich — und zwar einer der ernsten Sorte. Die andere Seite des Bernd Schotten: Mit 65 Jahren hat er an der "Akademie för uns kölsche Sproch" sein Diplom abgelegt.

Als Kämmerer der Stadt war Bernd Schotten nicht gerade für seinen Humor bekannt. Mancher Politiker behauptete gar, der Mann sei so bierernst, dass er nicht einmal lachen könne. Stimmt nicht! Denn jetzt legt der 65-Jährige den Gegenbeweis vor — in Form einer Diplomarbeit. Die hat Schotten für die "Akademie för uns kölsche Sproch" geschrieben, am 10. Mai wird er dafür in der Rhein-Metropole ausgezeichnet. Das Thema seines mehr als 100-seitigen Werks: "Vom Norfbach auf den Altermarkt" — es geht um den Mundartdichter Ludwig Soumagne.

"Die kölsche Sprache hat mich schon immer interessiert", sagt Bernd Schotten. Seit seiner Jugendzeit ist er ein eingefleischter Fan der "Bläck Fööss" — er kannte die Band schon, als sie noch unter dem Namen "The Beat Stones" durch die Säle tourte. Für Geburtstagsfeiern textete er die Songs der Gruppe um, mit der Zeit war Schotten sogar in der Lage, kölsche Büttenreden aus dem Stegreif zu halten — im Freundeskreis, versteht sich.

Konsequenterweise schrieb sich der Grevenbroicher vor vier Jahren an der "Kölsch-Akademie" ein und belegte dort Seminare, in denen er der Stadt- und Sprachgeschichte im Allgemeinen sowie der kölschen Eigenart im Besonderen auf den Grund ging. Exakt ein Jahr lang recherchierte er für seine Diplomarbeit, die Bernd Schotten dem 2003 gestorbenen Norfer Mundartdichters Ludwig Soumagne widmete. Dem Schöpfer der "Litanei" — eines in mehr als 300 Sprachen und Dialekten übersetzten Gedichts, das den Herrgott bittet, die "Dolle" zu beschützen, die für "uns" allerlei mühselige Arbeit tun.

"Es war eine aufwendige, aber auch eine schöne Arbeit", meint der 65-Jährige. Bernd Schotten verfolgte den Lebensweg des Lyrikers, begab sich auf Spurensuche in Archiven und Bibliotheken, sprach mit vielen Zeitzeugen diesseits und jenseits des Rhein-Kreises. Und letztlich ging er auch den Ursprüngen der Mundart Soumagnes nach, die weder Millowitsch-Kölsch noch Norfer Platt war. Sein Resümee: "Ludwig Soumagne war ein faszinierender Mensch. Seine Art, bestimmte Dinge kurz und knapp zu beschreiben, war toll. Darin war er ein ganz Großer."

Der Nebeneffekt der Diplomarbeit: Bernd Schotten kam so nah an die Domstadt heran wie nie zuvor: "Im Laufe der Recherchen bin ich Mitglied in der KG ,Greesberger' von 1852 geworden, der drittältesten Karnevalsgesellschaft in Köln", erklärt er. Schotten war sogar beim Rosenmontagszug aktiv dabei und brachte reichlich "Kamelle" unters närrische Volk. "Das ist, als ob man auf Wolken läuft", beschreibt das heutige Bauvereins-Vorstandsmitglied seine Premiere im "Fasteleer".

In wenigen Tagen erhält Bernd Schotten sein Diplom. Für Kölsch- und Soumagne-Fans ist er bereit, eine Kopie seiner Arbeit zur Verfügung zu stellen. Interessierte können sich bei ihm per E-Mail melden: berndjutta@t-online.de.

(NGZ/rl)