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Grevenbroich: Erzieher in Kitas und Ganztag gesucht

Grevenbroich : Erzieher in Kitas und Ganztag gesucht

Heute beginnt das neue Kita-Jahr, doch in sieben Einrichtungen sind noch Stellen frei, sogar ein Leitungs-Posten. Das Problem: Der Markt für Erzieher ist nach dem U3-Ausbau leer, befristete Arbeitsverträge sind kaum gefragt.

Wer als Erzieher oder Kindertagesstätten-Chefin arbeiten will, hat in Grevenbroich einige Chancen. "Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage klafft ziemlich auseinander", sagt Barbara Ropertz, Fachberaterin für städtischen Tageseinrichtungen für Kinder. "Zurzeit wissen wir nicht, wie wir die Lücken schließen sollen."

Der Mangel ist offensichtlich: Die Stadtverwaltung sucht noch heute, zu Beginn des neuen Kita-Jahres, für sieben Einrichtungen neun Mitarbeiter. So ist die Leitungsstelle in der städtischen Kita "Villa Bärenspaß" in Neurath ebenso frei wie acht Arbeitsplätze in sechs anderen städtischen Kitas. Dazu kommen zwei Stellen in der Offenen Ganztagsbetreuung an der Elsener Erich-Kästner-Schule. Insgesamt beschäftigt die Stadt 160 Erzieher. Paul Janus vom Fachbereich Jugend rechnet damit, dass die Bewerber-Suche keine schnelle und einfache wird: "Einige Stellen sind zeitlich befristet. Gute Leute wollen natürlich unbefristete Arbeitsverträge."

Grevenbroich ist kein Einzelfall, wie Karin Schliffke, Sprecherin der "Bundesagentur für Arbeit" in Mönchengladbach, bestätigt. Allerdings will sie nicht so weit gehen, von einem bundesweiten und flächendeckenden Engpass zu sprechen. Doch dass der Stellenbedarf vorhanden ist, das zeigt die Umschulungs-Offensive: 6000 Menschen wurden bundesweit für eine drei-jährige Qualifizierung angeschrieben, 1500 wollen diese ab September beginnen — allein 500 in NRW. Laut dem aktuellen Bericht der Bundesagentur für Arbeit über "Fachkräfte in der Kinderbetreuung und Erziehung" hat sich die Zahl der freien Stellen in den vergangenen fünf Jahren "mehr als verdoppelt". Analog zur Beschäftigung sei der Anteil an Teilzeitstellen "überdurchschnittlich hoch". Bis Juni 2013 waren bundesweit 7500 freie Stellen gemeldet. Perspektivisch sei bis 2016 davon auszugehen, dass ein Mangel an 20 500 Erziehern entstehen wird.

Warum Erzieher so stark gefragt sind, dafür sind laut Paul Janus unterschiedliche Gründe entscheidend: "Neben dem Ausbau für U3-Betreuung war es die Änderung im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) von 2007." Per Gesetz wurden die Gruppenformen geändert, mussten mehr Fachkräfte in Kitas und Familienzentren eingestellt werden. "Der U3-Ausbau brachte den Kahlschlag auf dem Erzieher-Markt", sagt auch Barbara Ropertz.

Als große Belastung erwies sich in Grevenbroich, dass Eltern zunächst die wöchentlichen Betreuungszeiten erst kurz vor Beginn des Kita-Jahres buchen konnten: "Wir haben die Wünsche der Eltern abgefragt und danach Personal gesucht", so Janus. Das war ein Problem — für alle Beteiligten. So mussten relativ kurzfristig Erzieher gefunden werden — sie konnten aber nur bis zum nächsten Kita-Jahr eingestellt werden; dann musste die Nachfrage erneut ermittelt werden. "Das hat viel Unruhe in die Einrichtungen gebracht, die Mitarbeiter waren unzufrieden", sagt Janus. Doch darauf habe man reagiert: "Wir geben inzwischen die Stunden-Belegung pro Einrichtung zum überwiegenden Teil vor. Dadurch können wir besser planen."

Als Richtlinie dienen Erfahrungen aus dem Vorjahr, welche Betreuung — von 25 bis 45 Stunden pro Woche — gefragt sei.

(NGZ)