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Grevenbroich: Erste Inklusionsklasse startet am Pascal

Grevenbroich : Erste Inklusionsklasse startet am Pascal

Im neuen Schuljahr werden voraussichtlich fünf Fünftklässler mit Förderbedarf am Pascal-Gymnasium lernen. Eine Steuerungsgruppe bereitet den Unterricht vor. Damit orientiert sich das Pascal am Beispiel anderer Gymnasien.

Das Pascal-Gymnasium steht — so dessen Leiter Manfred Schauf — vor einer "neuen Herausforderung". Ab dem kommenden Schuljahr wird es erstmals fünf Fünftklässler mit Förderbedarf aufnehmen. Eine Steuerungsgruppe arbeitet zurzeit an einem Konzept, um "die Kinder optimal fördern zu können", sagt Schauf. Dabei gibt es für die Schule noch einige Unklarheiten. Eine davon ist das Zeitbudget für einen Sonderpädagogen, den es bisher nicht am Gymnasium gibt. "Wir wissen zurzeit noch nicht, für wie viele Stunden ein Sonderpädagoge kommt", so der Schulleiter.

Dass Erst- und Fünftklässler — unabhängig von einer Behinderung — an der jeweiligen Regelschule gemeinsam lernen sollen, ist in NRW durch die Umsetzung der UN-Menschensrechtskonvention ab dem kommenden Schuljahr möglich. Sie räumt den Eltern das Recht auf freie Schulwahl ein.

Am Pascal-Gymnasium heißt das: Die fünf "Förderschüler" werden in einer Klasse zusammengefasst. "Wir haben alle Eltern bei der Anmeldung informiert. Sie konnten ablehnen, falls ihr Kind nicht in diese Klasse kommen sollte", erläutert Schauf. Beim Einwand, dass Kinder ohne Förderbedarf in dieser "inklusiven Klasse" benachteiligt seien, verweist Schauf auf die individuelle Förderung: "Dazu sind wir als Schule verpflichtet — und das machen wir bereits jetzt für jeden Schüler, etwa in Deutsch, Mathematik oder beim Lesen." Er kenne auch das Modell der Gesamtschulen, die Kinder mit Förderbedarf auf alle Eingangsklassen verteilen. "An den Gymnasien ist dies weniger üblich. Eine Gruppe erleichtert uns im Alltag die Differenzierung", so der Schulleiter.

In Grevenbroich gibt es eine besondere Situation, erläutert Schulrat Claus Friedhoff: "Eltern können sich entweder für den Besuch einer Förderschule oder einer Regelschule entscheiden." Allerdings wird die Martin-Luther-King-Schule in Frimmersdorf mit der "Schule am Chorbusch" in Hackenbroich zusammengelegt. "Das könnte für die Eltern ein zusätzlicher Anreiz sein, die Regelschule zu wählen — oder eine andere Förderschule, etwa in Mönchengladbach", meint er. Auch Manfred Schauf hält durch die Schließung der King-Schule die häufigere Entscheidung für eine Regelschule für "möglich".

Hat es bereits jetzt einen Ansturm auf Gesamtschulen oder Gymnasium gegeben? Claus Friedhoff kann dies mit Blick auf die Zahlen für das kommende Schuljahr nicht bestätigen: "Wir haben nicht mehr Schüler zugeteilt." Bei dieser Zuteilung habe eine Steuerungsgruppe mitgewirkt. Eltern konnten sich entweder für die zugeteilte Regelschule oder für die Förderschule entscheiden. "Einen Anspruch auf eine bestimmte Regelschule gibt es aber nicht", erläutert der Schulrat. Mit Eltern-Klagen wie im vergangenen Schuljahr rechnet er nicht. Damals hatten Grevenbroicher Eltern gegen die Zuweisung an Gymnasien geklagt. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf erkannte Formfehler an und ließ die Kinder an der Gesamtschule II zu.

Manfred Schauf ist zuversichtlich: "Wir befinden uns auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun." Und nach dem Start sei sicher auch "Learning by Doing" dabei.

(NGZ)