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Grevenbroich: Ersatz-Mutter für Frischlinge

Grevenbroich : Ersatz-Mutter für Frischlinge

Zwei kleine Wildschweine begeistern die Besucher des "Schneckenhauses". Die Frischlinge sind wie kleine Hunde und folgen ihrer Ersatz-Mutter Ralf Dietrich auf Schritt und Tritt.

Ralf Dietrich vom "Schneckenhaus" ist so etwas wie die Mutter von zwei jungen Wildschweinen. Die etwa fünf Wochen alten Frischlinge folgen ihm auf Schritt und Tritt. Verlässt er das Holzhaus im Bend, heften sich die kleinen Grunz-Tiere an seine Fersen. Kommt er wieder rein, machen es sich der Nachwuchs-Keiler und die kleine Bache zu seinen Füßen bequem. "Total lustig", meint Norbert Wolf, der Chef der Wildtier-Aufzuchtstation: "Die Schweine sind wie junge Hündchen."

Die beiden Tiere gehören zu einem fünfköpfigen Wurf, der vor etwa zwei Wochen von einer Jägerin im Unterholz entdeckt wurde. Ihr gelang es, zwei der Frischlinge einzufangen, die anderen türmten. "Die kleinen Schweine waren alleine, ihre Mutter kam bei einem Wildunfall ums Leben", berichtet Norbert Wolf. Er gibt den drei geflüchteten Tieren kaum eine Chance: "Im Alter von zweieinhalb bis drei Wochen brauchen sie noch Milch — ohne die haben sie keine Überlebensperspektive", meint der Grevenbroicher Umwelt-Experte.

Jetzt ist Ralf Dietrich die Ersatz-Mutter für die beiden Glücks-Schweine, die dank der Jägerin dem Hungertod entronnen sind. Tagsüber füttert er die Frischlinge mit Ferkelaufzucht-Milch, das letzte Fläschchen gibt es kurz vor Einbruch der Dunkelheit. "Die Tiere entwickeln sich prächtig", freut sich der Mitarbeiter des "Schneckenhauses". Mittlerweile bringen die putzmunteren Schweine schon zwei Kilogramm auf die Waage, sie gehen bereits selbst auf Nahrungssuche und durchwühlen das Gelände nach Schnecken, Regenwürmern und Wurzeln. "Sie haben sich schon zu richtigen Publikums-Lieblingen entwickelt, die Leute sind entzückt, wenn sie die Schweine beim Herumtollen beobachten", erklärt Norbert Wolf.

Wer möchte, kann die Tiere auch streicheln — was allerdings mit Vorsicht getan werden sollte. "Der Keiler versucht schon jetzt, seine soziale Stellung zu manifestieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass er einem Besucher ins Bein zwickt", so Wolf. Eines steht fest: Von Hand aufgezogene Frischlinge, die sich an den Menschen gewöhnt haben, können nicht mehr in die freie Wildbahn entlassen werden. "Sobald die Tiere 24 bis 30 Kilogramm schwer sind, werden sie in ein Wildgehege entlassen", berichtet der Umwelt-Experte.

Das "Schneckenhaus" arbeitet mit dem Hochwildpark Rheinland in Kommern (Eifel) zusammen und wird die Tiere dort in einigen Monaten abgeben. "Dort gibt es ein wundervolles, 16 Hektar großes Gelände nur für Wildschweine — da sind sie bestens untergebracht", berichtet Wolf. Auch "Schweini", der kleine Keiler, der 2008 im Schneckenhaus-Gelände aufgepäppelt wurde, hat dort ein Zuhause gefunden. Er wird bald auf seine Artgenossen aus der alten Heimat treffen.

(NGZ)