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Erkrankung Covid-19: Arzt klärt über Coronavirus im Rhein-Kreis Neuss auf

Coronavirus : Arzt klärt über Maßnahmen im Rhein-Kreis Neuss auf

Marc Zellerhoff, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im gesamten Rhein-Kreis Neuss, sagt, dass das Coronavirus nicht gefährlicher als eine „normale“ Grippe ist. Er sieht keinen Grund dazu, in Panik zu verfallen.

Das Coronavirus ist auch im Rhein-Kreis Neuss ein großes Thema. 16 Verdachtsfälle gibt es bereits, weitere könnten folgen. Mehrere Menschen sind unter Quarantäne gestellt worden. Die Stadt Grevenbroich hat eine Kita in Hülchrath vorübergehend geschlossen. Viele Menschen haben Angst, sich mit dem neuen Virus anzustecken. Marc Zellerhoff, Leiter des Ärztlichen Rettungsdienstes im Rhein-Kreis Neuss, rät zur Ruhe.

Panik sei unter keinen Umständen angebracht, sagt er. Das Virus Covid-19 sei zwar eine ernstzunehmende Erkrankung, es sei allerdings vergleichbar mit anderen Grippeerkrankungen wie der Schweinegrippe. „Und in der Hinsicht haben wir sehr gute Erfahrungen bei der Behandlung gehabt“, sagt Zellerhoff.

Zudem sei das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, nicht so hoch, wie es viele denken. Es gilt: Die Ansteckungsgefahr ist vergleichbar mit anderen Grippeerkrankungen. „Rein statistisch steckt ein Patient mit Coronavirus fünf bis zehn Menschen an“, sagt Zellerhoff. Damit dies passiert, müsse ein gesunder Mensch mehr als 15 Minuten engen Kontakt zu einem Infizierten haben. Das bedeute in diesem Zusammenhang, dass der nötige Sicherheitsabstand von zwei Metern dauerhaft nicht eingehalten werden kann.

Zellerhoff betont, dass die aktuelle Lage keinen Grund zur Besorgnis gebe. „Wir haben keinen einzigen belegten Fall“, sagt er. Wir reden nur über Verdachtsfälle.“ Dass sich einige Menschen nun auf das Coronavirus testen lassen, sei in einer Zeit, in der viele Menschen saisonbedingt unter normalen Grippesymptomen leiden, folgerichtig. Zellerhoff verstehe die Sorgen der Menschen, obwohl das neue Virus aus medizinischer Sicht „nicht schlimm“ sei. Denn schließlich klinge die Erkrankung bei ansonsten gesunden Menschen nach maximal 14 Tagen wieder ab. „Die Gefahr, dass die Krankheit schwer verläuft oder ein Patient sogar daran stirbt, ist nicht höher als bei einer Grippe“, fasst der Leiter des Ärztlichen Rettungsdienstes zusammen.

Mit den 16 Verdachtsfällen stehe der Kreis sowie die zuständigen kommunalen Behörden im regen Kontakt, versichert Zellerhoff. Mindestens einmal am Tag werde telefonisch Kontakt aufgenommen und Fragen zum Gesundheitszustand und zu Beschwerden gestellt. Zudem bekämen Betroffene Ratschläge, zum Beispiel wann sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen sollten. „Generell ist es jedoch besser, wenn ein Patient zu Hause im Bett bleibt und sich auskuriert“, sagt Zellerhoff. Ganz wichtig: Ein Gang zum Arzt mit entsprechenden Symptomen muss telefonisch angemeldet werden.

Nicht nur am Telefon bieten der Kreis und die Kommunen ihre Hilfe an. Angenommen, eine Person kommt in Quarantäne und hätte weder Familie, Freunde oder Nachbarn, die sich kümmern könnten, so übernehmen die kommunalen Ordnungsbehörden die Versorgung des Betroffenen und stellten unter anderem auch Lebensmittel bereit. „Das ist selbstverständlich“, sagt Zellerhoff. Auch für die Mitarbeiter des Rettungsdiensts, die im Fall einer Erkrankung mit Patienten in Kontakt kommen, sorgt der Kreis, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Im Gespräch mit Verdachtsfällen werden alle Mitarbeiter angewiesen, sich korrekt zu verhalten – zum Beispiel Abstand zu halten und sich oft die Hände zu waschen beziehungsweise zu desinfizieren.

Weitere Maßnahmen wie das Anlegen einer Schutzbrille, eines Mund- und Nasenschutzes, eines speziellen Kittels sowie Handschuhen sind erst notwendig, wenn der Rettungsdienst mit einem bestätigten Corona-Fall in Kontakt kommen. Tritt dieser Fall ein, ändert sich jedoch nichts an den Maßnahmen des Kreises in Bezug auf die Versorgung der Bürger. „Eine bestätigte Diagnose gibt dem Kind erstmal nur einen Namen“, sagt Zellerhoff. Auch sind Ärzte dann noch nicht angehalten, am Wochenende Speichelproben aus dem Rachen zu entnehmen, die für einen Test benötigt werden. „Montag ist dann völlig ausreichend, weil die Maßnahmen die gleichen wären“, sagt Zellerhoff. Erst wenn Beschwerden auftreten, sei eine Behandlung notwendig.

Jan Luhrenberg