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Grevenbroich: Erftverband saniert Überlaufbecken

Grevenbroich : Erftverband saniert Überlaufbecken

Beim 600 000 Euro-Umbau muss auf Pirol, Bussard, Fledermaus und Haselmaus Rücksicht genommen werden.

Mitten im Wald liegt das unterirdische Regenüberlaufbecken Parkstraße. Der Erftverband will die Anlage im Landschaftsschutzgebiet nördlich der Montanusstraße im kommenden Jahr für 600 000 Euro sanieren. Dabei muss er auf Fledermaus, Pirol und Co. Rücksicht nehmen. "Es handelt sich um einen sensiblen Planungsraum", sagt Projektleiterin Mirka Reul (31). Sogar die Bauzeit — vom 18. August 2013 bis 15. März 2014 — hängt von den Waldbewohnern ab: Dann haben Pirol und Mäusebussard nämlich keine Brutzeit.

In dem Überlaufbecken wird bei Regen das Wasser aus den Kanälen im City-Bereich gespeichert, "das nicht klärpflichtige Wasser wird dann dosiert über eine Überlaufrinne neben dem Waldweg in die Erft geleitet", erläutert Mirka Reul. "Das Problem ist, dass der Beckenüberlauf zu klein dimensioniert ist, dadurch kommt es zum Rückstau des Regenwassers ins Kanalnetz." Dann könnte das Wasser aus Schächten austreten und in Keller laufen.

Das Problem soll nun behoben werden: "Wir bauen am Becken ein neues, größeres Abschlagbauwerk. Außerdem verlegen wir zur Erft einen rund 100 Meter langen, unterirdischen Kanal, der 2,50 Meter breit und 1,25 Meter hoch wird."

Klar ist: Ohne Spuren in der Natur ist das Bauprojekt nicht zu schaffen. Der Erftverband hatte eine landespflegerische Begleitplanung undvom Grevenbroicher Biologen Oliver Tillmanns ein Gutachten zur Artenschutzprüfung erstellen lassen. Das sieht etliche Maßnahmen zum Schutz von Tierarten vor, um die Eingriffe in die Natur möglichst gering zu halten. Der Landschaftsbeirat beim Kreis hatte danach keine Bedenken.

Allein 57 Vogel- und drei Fledermausarten hatte Oliver Tillmanns nachgewiesen oder kommen potenziell vor. Bereits im Sommer wurde der Erftverband aktiv. Da fünf Bäume mit Höhlen gefällt werden sollen, wurden frühzeitig Kästen als Ausweichquartier für Fledermäuse aufgehängt. Und für die Haselmaus wurden künstliche Neströhren in Strauchschichten geschaffen. Die Rodungsarbeiten auf der Kanaltrasse sind bereits für den kommenden Winter vorgesehen, damit weder Jungvögel noch Eier Schaden nehmen.

Und welche Folgen hat das Bauprojekt für den Menschen? "Von den Bauarbeiten werden die Bewohner der Montanus- und Parkstraße nicht sehr viel mitbekommen, allerdings müssen die Baufahrzeuge durch die Siedlung fahren", erläutert Mirka Reul. Der Waldweg von der Montanusstraße durch den Bend in Richtung Erft werde während der Bauarbeiten gesperrt.

Eine andere Baustelle des Erftverbandes in Grevenbroich steht dagegen kurz vor dem Abschluss: Für 3, 6 Millionen Euro saniert der Verband seine Abwasseranlagen in Neuenhausen — unter anderem wurden zwei Regenüberlaufbecken und am Ortsrand ein Bodenretentionsfilterbecken errichtet. "In dieser Woche läuft der Kanalbau auf der Mainstraße an, die Arbeiten werden Anfang 2013 abgeschlossen", sagt Reul. Auch auf der Rheinstraße wurde eine Leitung verlegt, die Fahrbahn dort soll vor Weihnachten wiederhergestellt sein.

(NGZ/rl)