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Grevenbroich: Erfthalle: Gefahr in der Decke

Grevenbroich : Erfthalle: Gefahr in der Decke

Das Gutachten des Sachverständigen Paul Corall belegt: Unter der Saaldecke der Erfthalle ist das gleiche Material verwendet worden, das 1996 zum Brand des Düsseldorfer Flughafens führte. Die CDU plädiert für einen Abriss.

Auslöser des verheerenden Feuers am 11. April 1996 waren Schweißarbeiten. Der Schwelbrand, der 18 Todesopfer und 88 Verletzte forderte, konnte sich ausbreiten, weil in der Decke des Flughafengebäudes Dämmplatten aus brennbarem Styropor verwendet worden waren. Das gleiche Material befindet sich nach einem Gutachten des Meerbuscher Sachverständigen Paul Corall in der Saaldecke der Erfthalle.

"Das birgt ein hohes Gefahrenpotenzial", erklärte gestern der CDU-Fraktionsvorsitzende Norbert Gand. Die Bauaufsicht hatte den Saal zwar bereits im Vorjahr für Großveranstaltungen geschlossen, er könnte aber immer noch für Versammlungen mit weniger als 200 Teilnehmern genutzt werden. "Ich täte mich schwer damit, für diesen Raum überhaupt noch eine Veranstaltung zu genehmigen", meint Gand: "Das Risiko wäre zu groß."

Nach Darstellungen aus dem Rathaus hat die Stadt Grevenbroich schon die Reißleine gezogen. "Der Vertrag mit dem Pächter der Erfthalle ist bereits dementsprechend geändert worden", erklärte Dezernent Claus Ropertz auf Anfrage der NGZ. Demnach könne der Gastronom den Saal nicht mehr vermieten, sondern nur noch die Stadt — und die denke nicht daran. "Diese Verantwortung übernehme ich nicht", so Ropertz.

Die Saaldecke gehört zu den von Gutachtern festgestellten Mängeln, deren Behebung etwa 1,66 Millionen Euro kosten würde (die NGZ berichtete). Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der CDU nur eine Konsequenz, sagt Gand: "Abriss. Denn dieses teure Sanierungsprojekt würde keine Verschönerung und damit auch keinen Effizienzgewinn bringen." Der Fraktionschef sieht gleichzeitig aber Stadt und Politik in der Pflicht, über Alternativen nachzudenken.

Im Rahmen der Diskussion um einen neuen Sportplatz im Süden der Stadt müsse ein Gesamtkonzept entwickelt werden, das alle gesellschaftlichen Gruppen in Frimmersdorf und Neurath berücksichtige, meint Norbert Gand: "Dabei sollte auch ein Versammlungsraum für 150 bis 200 Menschen mit Gaststätte in die Überlegungen miteinbezogen werden." Für ein Gesamtkonzept habe sich auch der Sportausschuss in seiner jüngsten Sitzung ausgesprochen.

Die von Gutachtern prognostizierten Millionenausgaben beschäftigten gestern die Politik. "Diese Halle ist für Grevenbroich nicht zu halten", urteilte FDP-Chef Manfred Hermanns. Und Rolf Göckmann (Aktive Bürger) erklärte: "Finanziell können wir das nicht alleine schaffen." RWE Power müsse erneut um Hilfe gebeten werden: "Mit einem Hinweis auf die soziale Verantwortung für den Süden."

(NGZ)