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Grevenbroich: Erftcarbon misst Luftqualität in der Südstadt

Grevenbroich : Erftcarbon misst Luftqualität in der Südstadt

Das Unternehmen an der Aluminiumstraße will realistische Immissionswerte erhalten. Hintergrund der jetzt startenden Messungen sind aber nicht die Beschwerden über Geruchsbelästigungen.

Die Firma Tokai Erftcarbon wird noch in diesem Monat einen Messcontainer in der Südstadt aufstellen. Über einen Zeitraum von einem halben Jahr wird die Anlage die Luftqualität analysieren. Mit den Beschwerden über Geruchsbelästigungen aus den Firmen an der Aluminiumstraße habe diese Einrichtung jedoch nichts zu tun, erklärte gestern ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage unserer Zeitung.

"Wir haben eine Vor-Ort-Messung geplant, um realistische Immissionswerte zu erhalten", sagt Turgut Akyel, Umweltschutzbeauftragter bei Tokai Erftcarbon. Hintergrund der Aktion sei ein laufendes Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Das Unternehmen plane Änderungen in verschiedenen Bereichen des Betriebs, auf die Akyel zurzeit aber nicht näher eingehen will. Erftcarbon hat sich auf die Fertigung von großformatigen Graphitelektroden spezialisiert. Hauptsächlicher Abnehmer der Produkte aus Grevenbroich ist die Elektrostahlindustrie in Europa.

Auf eigene Kosten wird die Firma einen Messcontainer von "TÜV Süd Industrie-Service" auf dem Garagendach eines Mitarbeiters an der Straße "Am Bodental" aufstellen. "Zwischen August und Februar wird in dieser Anlage in regelmäßigen Abständen eine definierte Luftmenge eingesaugt und analysiert. Wir wollen wissen, was in drei verschiedenen Jahreszeiten dort ankommt", meint Turgut Akyel: "Dabei werden auch Verkehr, Hausbrand, Kraftwerke und Tagebau berücksichtigt." Der Umweltschutzbeauftragte stellt in diesem Zusammenhang klar, dass es bei der Messung um eine freiwillige Maßnahme handele, sie sei nicht von der Bezirksregierung vorgeschrieben worden.

Unter den Mitgliedern der "Interessengemeinschaft Lebensqualität", die gegen den Gestank aus dem Industriegebiet kämpfen, machte die Nachricht von der Messstation gestern die Runde. "Erftcarbon unternimmt viel für den Umweltschutz und hat tüchtig in Filteranlagen investiert", lobt Sprecher Claus Schäfer. Er und seine Mitstreiter haben derzeit die Nachbarfirma Aleris im Visier und werfen ihr vor, für aktuelle Geruchsbelästigungen verantwortlich zu sein. Das Unternehmen dementiert dies.

"Seit Tagen herrscht ein beißender, stechender Geruch vor, der bei Westwind vom Industriegebiet Ost nach Barrenstein weht", beklagt Leo Oehmen von IGL: "Das muss aufhören." Als Sachkundiger Bürger der UWG will er nun einen Antrag für den Umweltausschuss und den Rat formulieren: "Ich sehe hier auch die Stadt in der Fürsorgepflicht. Sie soll sich darum kümmern, dass die Belästigungen abgestellt werden."

(NGZ)