Grevenbroich: Erasmus-Gymnasiasten bei der "Hexenjagd"

Grevenbroich : Erasmus-Gymnasiasten bei der "Hexenjagd"

Oberstufenschüler zeigen Millers Klassiker "Hexenjagd" in zwei Aufführungen heute und morgen.

Tanzen und singen junge Mädchen halb nackt und taumelnd vor Vergnügen um ein Lagerfeuer, kann das kein Ausdruck überschwänglicher Fröhlichkeit sein: Das ist ein Hexensabbath. Denn Arthur Millers 1962 verfasste Stück "Hexenjagd" spielt im Jahr 1692 im ländlichen Nirgendwo Massachusetts. Weil das Stück inhaltlich von "zeitloser Aktualität ist", wie Theater-Ag-Leiter und Regisseur Heiko Schmidt sagt, wird es jetzt am Erasmus-Gymnasium aufgeführt. Mittwoch und Donnerstag, jeweils 19.30 Uhr, hebt sich für die 14 Darsteller, allesamt aus der Oberstufe, der Bühnenvorhang.

"Zu jeder Zeit an jedem Ort könnte so eine Art der Verfolgung wie in diesem Drama stattfinden", nennt Heike Schmidt Gründe für die "ewige Aktualität" von Millers Werk. Um die "Mechanik von Denunziation und Machtmissbrauch zu zeigen und richtig in das Drama einsteigen zu können" hat der Mann, der sonst Musik und Pädagogik unterrichtet, das Stück rigoros gekürzt - und um Musik und Tanz erweitert. Einmal wöchentlich wird regulär geprobt, dazu kamen ein Theaterwoche in Nettetal sowie Kompaktproben vor den beiden Aufführungen an den vergangenen Wochenenden. "Das war toll, die Arbeit hat unheimlich was gebracht", sagt Jennifer Jarac. Die 18-Jährige spielt eine Landwirtin, sie hat aus dem vergangenen Jahr bereits Bühnenerfahrung und für sie sind durch die Ag enge Freundschaften entstanden, "die im regulären Schulbetrieb gar nicht möglich seien. Und sie habe auch viel für sich gelernt: "Diese Theaterarbeit trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Außerdem spreche ich jetzt viel klarer und deutlicher", und weil es für beide Aufführungen keinen Souffleur gibt, ist die mentale Leistung groß. "Das spornt sehr an", sagt sie über die Kopfarbeit.

Auch bei Francis Karsch (16), der erstmalig auf einer Theaterbühne steht, und in "Hexenjagd" einen wohlhabenden Bauern spielt, "überwiegt die Vorfreude: "Wir sind einfach extrem gut vorbereitet", sagt er selbstbewusst. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist die Ag für ihn mehr als bloßes Vergnügen, er könne sich nach dem Abi einen Beruf an einer Bühne vorstellen und plant eine Ausbildung an einer Schauspielschule in Köln.

Zunächst aber stehen zwei Stunden ohne Pause "Hexenjagd" mit "voller Kraft und Konzentration", wie beide sagen, an. Und Inszenator Heiko Schmidt freut sich: Mit 15 Jahren sah er erstmals das Stück. "Jetzt bin ich gespannt, wie das Publikum auf unsere Inszenierung und Ideen reagiert."

(von)
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