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Grevenbroich: Enten werden krank gefüttert

Grevenbroich : Enten werden krank gefüttert

Säckeweise Brot und Brötchen werden regelmäßig in die Erft geworfen – aus missverstandener Tierliebe. Umwelt-Experte Norbert Wolf (54) klagt: "Entenfütterer machen unsere Wasservögel regelrecht krank."

Was viele aus Tierliebe praktizieren, ist zu einem Problem geworden: Entenfüttern. "Das nimmt überhand", sagt der städtische Umweltexperte Norbert Wolf: "Sobald es etwas kälter wird, bombardieren die Leute unsere Gewässer mit Brot und anderen Backwaren." Dies könne böse Folgen haben, warnt der 54-Jährige: "Das schadet nicht nur dem Geflügel, sondern lockt auch Ratten in großer Zahl an." Im Stadtpark musste bereits mehrfach ein Schädlingsbekämpfer anrücken, um den Nagern den Garaus zu bereiten.

Für die Kleinen ist das Füttern der Enten dagegen ein Riesenspaß.

Die Erftufer im Gartenschau-Gelände, der Flutgraben und der Neurather See sind beliebte Reviere fürs Entenfüttern. "Was wir dort schon alles herausgezogen haben, geht auf keine Kuhhaut", ereifert sich Norbert Wolf kopfschüttelnd: "Da werden Brot und Brötchen gleich säckeweise im Wasser entsorgt. Irgendjemand hat sogar versucht, die Enten mit 40 Pizza-Rohlingen zu versorgen."

Den Tieren würde damit nur Schaden zugefügt: "Stockenten, Schwäne, Bläss- und Teichhühner vertragen die Gewürze und Zusatzstoffe in den Backwaren nicht – sie werden buchstäblich krank gefüttert", berichtet Wolf. Eine weitere Gefahr: "Nicht gefressenes Brot sinkt auf den Boden ab, fault und nimmt den Fischen den Sauerstoff. Zudem bildet sich Faulschlamm, der im schlimmsten Fall tödliche Epidemien unter dem Geflügel auslösen kann", erklärt der 54-Jährige.

Norbert Wolf hat beobachtet, dass sich die Zahl der Wasservögel in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat: "In der Nähe der Innenstadt ist die Population unnatürlich hoch, auch das ist eine Folge des Fütterns", sagt er: "Und sobald jemand mit einer Tüte erscheint, stürmen die Tiere wie verrückt das Ufer – das ist doch nicht normal."

Das Füttern von Wasservögeln hat die Stadt schon vor einigen Jahren verboten. Wer es dennoch macht, muss mit einem Bußgeld rechnen: "Dessen Höhe liegt – je nach Schwere des Falls – zwischen fünf und 1000 Euro", sagt Ordnungsamtsleiter Udo Robling (58). Er geht jedoch davon aus, dass bislang niemand zum Zahlen verdonnert wurde: "Meines Wissens ist das bisher noch nicht passiert."

Das könnte sich aber ändern: Norbert Wolf und sein Team vom "Schneckenhaus" haben sich vorgenommen, die Ufer der Erft nun zu beobachten und Entenfütterer auf die Folgen ihres Tuns hinzuweisen. Dass die Tiere in der kalten Jahreszeit ohne Brötchen und Pizza auskommen werden, davon ist er überzeugt: "Sicher, im Winter wird das Futter knapper. Aber Enten sind Wildvögel – und die kommen schon seit Jahrmillionen gut mit dem Wechsel der Jahreszeiten klar."

(NGZ/rl)