Grevenbroich: "Energie-"-Slogan wird eingedampft

Grevenbroich: "Energie-"-Slogan wird eingedampft

Die Stadt Grevenbroich ist nicht mehr die "Bundeshauptstadt der Energie" – zumindest auf amtlichen Schreiben des Rathauses. Auf Vordrucken und Dokumenten fehlt bereits der Slogan.

Die Stadt Grevenbroich ist nicht mehr die "Bundeshauptstadt der Energie" — zumindest auf amtlichen Schreiben des Rathauses. Auf Vordrucken und Dokumenten fehlt bereits der Slogan.

Die Homepage der Stadt wurde ebenso geändert wie die neuen Visitenkarten von Bürgermeisterin Ursula Kwasny, auf der schlicht nur "Stadt Grevenbroich" steht. Die Ortseingangsschilder mit dem Slogan dagegen werden nicht abmontiert.

Im amtlichen Schriftverkehr verzichtet die Stadt aber völlig auf den selbst verliehenen "Bundeshauptstadt"-Status. Fünf Jahre lang war der Slogan allgegenwärtig, warb für die Schlossstadt mit Tagebau und Kraftwerken. Der frühere Bürgermeister Axel Prümm hatte den bei einem Wettbewerb entstandenen Spruch offensiv als Marketinginstrument eingesetzt — von der Fahne über Werbetassen und T-Shirts bis zur Aufschrift auf Autos. Seine Nachfolgerin Ursula Kwasny machte schon bald nach der Amtsübernahme keinen Hehl daraus, dass sie anderes im Sinn hat. Sie schickte die restlichen der 3000 von RWE Power gesponserten, in Folie verpackten Kohle-Briketts mit dem Slogan in den Ruhestand, kündigte an, sie nicht mehr als Geschenk zu überreichen.

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Nun macht die Verwaltung auch bei ihren amtlichen Schreiben und Dokumenten ernst. "Ich möchte meine eigene Linie, dass wir uns auf die ursprüngliche Identität der Stadt besinnen. Sie hat viel mehr zu mehr zu bieten als Energie", erklärte Kwasny am Mittwoch. "Wir haben ein lebendiges Brauchtum. Viele Menschen engagieren sich für die Gemeinschaft. Grevenbroich hat eine tolle Erftauenlandschaft, einen starken Mittelstand und ein hervorragendes Schulsystem", so die Bürgermeisterin. Sind mit dem Aus für den Slogan auf Amtsschreiben Mehrkosten und viel Altpapier verbunden? "Nein", betont die Bürgermeisterin, "der Stadt sind keine Kosten entstanden. "Die Vorlagen für die Briefbögen sind im Computer gespeichert und werden bei Bedarf ausgedruckt. Und die alten Visitenkarten werden aufgebraucht".

Ganz wird sich Kwasny allerdings nicht vom Slogan trennen. Die markanten Ortseingangsschilder mit dem Slogan bleiben stehen, auch die Broschüren der Stadt werden nicht geändert. "Der Austausch oder Abbau wäre mit Kosten verbunden." An einen neuen Slogan denkt sie zurzeit nicht. Und was sagt RWE Power zur Änderung? "Das ist Sache der Stadt. Wir haben nach wie vor ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis zu Grevenbroich",so RWE-Sprecher Manfred Lang.

(NGZ)
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