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Grevenbroich: Endspurt fürs neue Museum

Grevenbroich : Endspurt fürs neue Museum

In knapp zwei Wochen – am 4. März – eröffnet das "Museum der niederrheinischen Seele". Der größte Teil der Ausstellung ist bereits aufgebaut worden. Ein Blick hinter die Kulissen der noch geschlossenen Villa Erckens.

In knapp zwei Wochen — am 4. März — eröffnet das "Museum der niederrheinischen Seele". Der größte Teil der Ausstellung ist bereits aufgebaut worden. Ein Blick hinter die Kulissen der noch geschlossenen Villa Erckens.

Susanne Henssen hat ganze Arbeit geleistet. Der Rheinische Sauerbraten der Gocherin sieht zum Reinbeißen lecker aus. Das aber sollte man tunlichst sein lassen. Denn Henssen ist Designerin und das verlockende Gericht nur eine gut gemachte Attrappe. Neben Butterbroten und Panhas steht der "Suurbroode" im Mittelpunkt eines von insgesamt neun Themenräumen in der Villa Erckens.

Knapp zwei Wochen vor der Eröffnung ist das neue Museum nahezu eingeräumt. "Wir werden pünktlich zum 4. März fertig", sagt Thomas Wolff vom Kulturamt.

Wer die erste Etage betritt, sieht zunächst einmal zwei beleuchtete Buchstaben: das "o" und das "i". Die nahezu mannshohen Lettern stehen für eine Besonderheit — das rheinische Dehnungs-i, das "Grevenbroisch" erst zu "Grevenbrooch" macht. Gleichzeitig murmelt jemand in allen möglichen Variationen den Namen der Stadt. "Versteckte Lautsprecher, die beim Betreten des Raums aktiv werden", erklärt Wolff. Ein Gag.

Wie so vieles. Denn das Museum der niederrheinischen Seele will weder bierernst sein, noch kommt es mit dem erhobenen Zeigefinger daher. "Es soll zum Entdecken einladen — auch mit einem Augenzwinkern", zitiert Thomas Wolff das Konzept des Münsteraner Ausstellungsmachers Ulrich Hermanns. Tatsächlich dürften einige Exponate manchem ziemlich abgefahren vorkommen. Etwa das Trimm-Rad, auf dem sich die Besucher (virtuell) durch einen Teil ihres Heimatgebietes strampeln können.

Industrie, Brauchtum und Landschaft — das sind nur einige von vielen Feldern, die in der Villa Erckens beackert werden. Nie mit langen Erklär-Texten, immer mit einem besonderen Hingucker. Zum Beispiel die eigens fürs Museum geschaffenen Querschnitte durch sechs Grevenbroicher Gotteshäuser, die für die Vielfalt der Religionen in Stadt und Region stehen. Originell: Wer des rheinischen Dialekts nicht mächtig ist, kann ihn im Museum lernen: "Wir haben eine Sprach-Station eingerichtet, das ,Niederrheinische Karaoke', an dem sich jeder selbst im ,Platt kalle' üben kann", meint Thomas Wolff. Und nebenbei lernt man auch etwas: Wer weiß schon, wenn er rheinisch "Fünef" statt hochdeutsch "Fünf" sagt, dass er soeben den Svarabhakti-Vokal bemüht hat?

Überall findet sich etwas zum Aufklappen, Durchgucken und Reinsprechen — und am Schluss gibt es einen Raum, der ursprünglich gar nicht geplant war. "Dort werden noch einmal alle Themen des Museums aufgerufen. Wer will, kann sich einem Test unterziehen und herausfinden, welcher Niederrhein-Typ er ist", sagt Wolff.

Die niederrheinische Seele, die dem Museum ihren Namen gibt, hält sich jedoch verborgen. Bewusst, meint der Mann vom Kulturamt: "Die muss jeder in der Villa selbst entdecken."

(NGZ/rl)