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Grevenbroich: Eltern klagen über überfüllte Schulbusse

Grevenbroich : Eltern klagen über überfüllte Schulbusse

Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule werden häufig vom Busfahrer stehengelassen. Auch in Kapellen sind die Wagen überfüllt.

Wenn an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in der Südstadt die Schulglocke läutet, sprinten etwa 80 Kinder und Jugendliche gleichzeitig los, um einen der begehrten Schulbus-Plätze in Richtung Wevelinghoven, Langwaden und Neukirchen zu ergattern. Doch regelmäßig heißt es: "Der Bus ist voll, ihr könnt nicht mitfahren", die Schüler werden stehen gelassen.

"Das ist ein Unding", schimpft Norbert Freitag (50), dessen drei Kinder die Gesamtschule besuchen. Erst vergangene Woche musste er seinen Nachwuchs mit dem Auto abholen, weil der Bus hoffnungslos überfüllt war. "Doch nicht alle Eltern sind zu Hause und können ihre Kinder im Notfall chauffieren", sagt Freitag.

Die Alternative: Die Schüler müssen etwa 20 Minuten lang ins Stadtzentrum gehen, um von dort in die Außenbezirke zu gelangen. "Dafür müssen wir teilweise über Neuss fahren. Statt der 20 bis 30 Minuten mit dem Schulbus ist man dann locker 90 Minuten unterwegs", weiß Tobias Freitag (19) aus eigener Erfahrung. Zusätzlich kostet dieser Umweg auch noch Geld. Denn für Fahrten mit dem Schülerspezialverkehr erhalten die Kinder ein städtisches Ticket. Nutzen sie nun öffentliche Verkehrsmittel, muss eine reguläre Fahrkarte gelöst werden.

Bereits mehrfach hat sich Familie Freitag an die Stadt gewandt. Ihre Forderung: Montags und freitags —wenn alle Kinder der Gesamtschule zur gleichen Zeit Schulschluss haben — sollen große Gelenkbusse eingesetzt werden. Doch Schule und Stadt winkten bisher ab: Gelenkbusse — so argumentieren sie — könnten an der Haltestelle wegen der engen Kurven nicht eingesetzt werden.

Schulleiterin Dagmar Mitze sieht das Problem vielmehr in der falschen Bus-Nutzung durch die Schüler: "Um Zeit zu sparen, fahren einige Schoko-Ticket-Nutzer fälschlicherweise mit dem städtischen Schulbus." Dabei sei die Nutzung des Schülerspezialverkehrs nur für diejenigen gedacht, die in Richtung Wevelinghoven und gleichzeitig mehr als 3,5 Kilometer von der Schule entfernt leben. "Wir sind mit zwei Lehrern an der Haltestelle präsent und versuchen, zu kontrollieren und an die Solidarität der Schüler zu appellieren", so Mitze.

Auch in Kapellen regt sich der Unmut bei Eltern, deren Kinder mit der Linie 869 ab 7.20 Uhr in Richtung Neuss fahren. Weil der reguläre Bus, der am Grevenbroicher Bahnhof startet, die Masse der Schüler und Berufstätigen nicht fasst, hat der BVR (Busverkehr Rheinland) einen zusätzlichen Wagen eingesetzt. "Doch auch der ist jeden Morgen rappelvoll", sagt Thomas Kuhn aus Kapellen. Ein Umsteigen auf die Regionalbahn sei keine Alternative, auch sie sei um diese Zeit überfüllt und darüber hinaus oft unpünktlich. Für Aufregung sorgt zurzeit das Gerücht, dass der BVR den Zusatz-Bus ab dem 9. Dezember einsparen wolle. "Damit würde sich das Transportangebot — besonders zu den Schulen im Neusser Süden drastisch — verschlechtern", so Kuhn.

Die gute Nachricht: Wie ein Sprecher des BVR gestern auf Anfrage mitteilte, bleibt der zusätzliche Bus weiterhin im Angebot. Ab dem 9. Dezember wird lediglich ein neues Transportunternehmen die Tour für den BVR übernehmen. Die schlechte: Einen zusätzlichen Bus wird es darüber hinaus nicht geben.

(NGZ)