Grevenbroich: Eltern klagen gegen Schulzuweisung

Grevenbroich : Eltern klagen gegen Schulzuweisung

Nicht alle Schüler mit Förderbedarf finden Platz in den Gesamtschulen, einige sollen an Gymnasien. Dagegen wehren sich jetzt die Eltern.

Annette Phillips (46) blickt mit Skepsis auf die schulische Zukunft ihrer Sohnes Marco: Der Zehnjährige soll im kommenden Schuljahr das Gymnasium besuchen — trotz Förderbedarfs in Rechnen und Rechtschreibung. Jetzt fürchtete die Mutter aus Elfgen, dass ihr Junge "zwischen Einser-Schülern am Gymnasium untergeht". Deshalb hat sie Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Annette Phillips ist nicht die einzige Grevenbroicherin, deren Kind besonderen Förderung benötigt und dennoch vom Schulamt des Rhein-Kreises Neuss auf ein Gymnasium zugewiesen wurde. Auch Gisela Düllberg (46) aus Elsen steht vor diesem Problem, auch sie klagt. Sie kritisiert das Vorgehen des Kreis-Schulamtes: "Mit uns wurde kein Gespräch geführt, unsere Wünsche wurden nicht berücksichtigt." Düllberg fühlt sich allein gelassen: "Auch wenn alle Gesprächspartner sagen, dass sie mein Problem verstehen können: Helfen kann mir bisher niemand."

Beide Eltern wollten ihre Söhne an einer Regelschule, der neuen Gesamtschule in Orken, anmelden, wurden aber dort abgewiesen, die Kinder wurden einem Gymnasium zugewiesen. Auch ein Gespräch mit Bürgermeisterin Ursula Kwasny brachte bisher keine Lösung. Dass eine Schulzuweisung zum Gymnasium nicht ungewöhnlich ist, bestätigt Volker Klagges, Sprecher der Bezirksregierung: "Eine Einrichtung von inklusiven Klassen an allen Schulformen möglich. Die Einrichtung erfolgt dort, wo es regional erforderlich ist." Schulrätin Christa Banisch war für eine aktuelle Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Problem: In Grevenbroich müssen bis zum Sommer 20 Schüler mit Lernbehinderung untergebracht werden. Dazu muss die Verwaltung vier integrative Gruppen einrichten. Je eine Gruppe wird es an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule und an der Gesamtschule in Orken geben. Doch: Die Kapazitäten an der neuen Gesamtschule sind ausgereizt. Nur, wenn diese Schule auf acht Züge erweitert werden würde, könnten dort weitere Lernbehinderte aufgenommen werden — eine Variante, die äußerst unwahrscheinlich ist, denn die Bezirksregierung hat die neue Gesamtschule nur mit sechs Zügen genehmigt; Anmeldungen gibt es jetzt für sieben Eingangsklassen. Auch an der Diedrich-Uhlhorn-Realschule gibt es bereits eine "Seiteneinsteiger"-Gruppe und damit keine weiteren Kapazitäten. Übrig bleiben laut Einschätzung von Rhein-Kreis und Bezirksregierung, die die Federführung bei dem Verfahren innehaben, nur das Erasmus- und das Pascal-Gymnasium.

Annette Phillipps und Gisela Düllberg hoffen jetzt, dass ihre Klagen vor Gericht Erfolg haben werden — auch wenn die Entscheidung erst für April erwartet wird. "Als mein Sohn erfahren hat, dass er zum Gymnasium soll, hat er gesagt: ,Da gehe ich nicht hin'", erzählt Annette Phillips. Die Elfgenerin wünscht sich für ihren Sohn, "dass er die Schule seiner Wahl besuchen kann". — "Man sollte nicht über unsere Köpfe, sondern zum Wohl der Kinder entscheiden", meint auch Gisela Düllberg.

(NGZ)
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