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Interview mit Fred Schlangen: "Einzelhandel ist wichtig für die Heimat"

Interview mit Fred Schlangen : "Einzelhandel ist wichtig für die Heimat"

Der Werbering beteiligt sich an der Aktion "Heimat shoppen" und weist auf die Bedeutung des Einzelhandels für die City hin. Vorsitzender Fred Schlangen spricht über die Stärken der Stadt - und wie sich die Händler der Internet-Konkurrenz stellen.

Der Grevenbroicher Werbering beteiligt sich am Freitag, 5., und Samstag, 6. September, an der Aktion "Heimat shoppen" , die in der Region stattfindet. Was erwartet die Bürger an diesen Tagen beim Einkaufsbummel?

Fred Schlangen Wir werden gemeinsam auf die Bedeutung des Einzelhandels für eine lebendige Innenstadt hinweisen. Es handelt sich dabei nicht um eine Verkaufsaktion, es wird auch keine Auftritte von Künstlern auf Bühnen geben. Die Händler werden über die Bedeutung des Handels in ihrer Stadt informieren - mit Flyern und in Gesprächen. Dazu bekommen Kunden ihre Einkäufe in speziell gefertigten "Heimat shoppen"-Tragetaschen, die auf den Aktionstag hinweisen.

Der Internet-Handel macht den Händlern vor Ort zunehmend das Leben schwer. Wie ist die Aktion vor diesem Hintergrund zu sehen?

Schlangen Sie zielt darauf, die Wichtigkeit des Handels und der Gastronomie für die Lebensqualität einer Stadt zu betonen. Es geht ja auch um die wirtschaftliche Basis - von Bürgern, aber auch der Stadt im Ganzen. Handel und Gastronomie sind ein großer Arbeitgeber vor Ort und bieten vielen jungen Menschen einen Ausbildungsplatz. Aber der Einzelhandel vor Ort steht durch das Internet vor den größten Umwälzungen seit Jahrzehnten.

Wie werden sich die Innenstädte verändern?

Schlangen Vorab: Wir sind in Grevenbroich sehr gut aufgestellt. Die Innenstadt floriert, das zeigt sich auch an dem geringen Leerstand. Und dass wir mehr Kaufkraft in die Stadt holen, als andere Kommunen im Kreis, zeigen die Zahlen der Industrie- und Handelskammer.

Dennoch wird die Entwicklung nicht an Grevenbroich vorübergehen.

Schlangen Richtig. Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen. Das Institut für Handelsforschung an der Universität Köln hat errechnet, dass die Zahl der stationären Geschäfte in Deutschland durch den Internethandel bis 2020 um bis zu 58 000 Geschäfte abnehmen wird. Die Zuwachsraten des Internethandels sind jährlich zweistellig. Zugleich geht der Umsatz je Quadratmeter im stationären Einzelhandel zurück. Der Anteil der Konsumausgaben, den Kunden im Einzelhandel ausgeben, ist von 34,5 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt nur noch 28,1 Prozent zurückgegangen. Irgendwann verschwinden dann Geschäfte, und das zeigt sich in den Innenstädten. Dem wollen wir entgegenwirken.

Wie?

Schlangen Individuelle Beratung, Ansprechpartner vor Ort, persönlicher Service - das alles sind Stärken, auf die wir stolz sein können. Generell bietet Grevenbroich einen guten Mix aus Filialisten und persönlichem Einzelhandel. Damit stehen wir besser da als viele andere Mittelstädte von vergleichbarer Größe.

Für den klassischen Familienbetrieb im Einzelhandel ist aber häufig nicht der Internethandel das Problem, sondern zu hohe Mieten brechen ihm das Genick - vor allem in 1a-Lagen. Wo Filialisten querfinanzieren können, ist er auf sich allein gestellt und muss kapitulieren.

Schlangen Das ist in der Tat in vielen Städten ein großes Problem. Aber auch da sind wir in Grevenbroich gut aufgestellt: Im Schnitt ist das Mietniveau im Handel hier in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Allerdings gibt es natürlich Einzelfälle, in denen mit falschen Vorstellungen auf den Markt gegangen wird.

Wie wichtig ist das Einzelhandelsstandortkonzept? Es ist politisch alles andere als unumstritten. Wird da zu rigoros in den Wettbewerb eingegriffen?

Schlangen Auf keinen Fall. Deshalb habe ich als Werbering-Vorsitzender in einem Schreiben an alle Ratsmitglieder appelliert, parteiübergreifend wieder zu einer geschlossenen Haltung pro Innenstadtentwicklung zurückzufinden. Das Einzelhandelsstandortkonzept ist ein wesentlicher Grund, weshalb sich die Grevenbroicher Innenstadt beim "Heimat shoppen" als überaus lebendig und vielfältig präsentieren kann.

ANDREAS BUCHBAUER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ)