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Grevenbroich: Einsatz der Superschnüffler

Grevenbroich : Einsatz der Superschnüffler

Im Grevenbroicher Süden stinkt's. Jetzt soll ein Geruchsgutachten Aufklärung bringen. Seit Dienstag sind Prüfer in Barrenstein unterwegs. Sie nehmen für die Dauer eines Jahres an unterschiedlichen Stellen Geruchsproben.

In Barrenstein sind professionelle Schnüffler unterwegs. Ihr Auftrag: Gerüche ermitteln. Für die Dauer eines Jahres werden sie an klar definierten Punkten im Ort Proben nehmen. Die Ergebnisse werden in einem Geruchsprotokoll zusammengefasst. Dieses Dokument soll Klarheit darüber bringen, welche Stoffe sich in der Luft befinden und woher diese stammen. "Am Dienstag haben die Probanden ihre Arbeit aufgenommen", sagt Jennifer Spitzner, Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, auf Anfrage der NGZ.

Beißender Gestank, dichter Nebel: Das kennen die Anwohner in Barrenstein und in der Südstadt. Was sie bisher nicht kennen: die Ursache der Geruchsbelästigungen. Bereits vor einigen Jahren hatten sich immer wieder Menschen beschwert. Vermutet wurde damals, dass Unternehmen aus dem Industriegebiet Ost verantwortlich für die störenden Emissionen sind. Nach einer Ruhephase herrscht seit mehr als einem Jahr wieder "dicke Luft" im Grevenbroicher Süden. Inzwischen hat sich der Widerstand formiert: Claus Schäfer (45) und Leo Oehmen (58) führen die Interessengemeinschaft "Lebensqualität in Grevenbroich". Sie fordern Aufklärung – vor allem über die Gesundheitsrisiken, die durch den Gestank entstehen könnten.

Für Aufklärung ist das Mönchengladbacher Institut "Aneco" zuständig, zu dessen Dienstleistungen Arbeits- und Umweltschutz gehören. Warum in Barrenstein die menschliche Nase unverzichtbar ist, erläutert Uwe Hartmann (40), Leiter der Abteilung Emmissionsgutachten bei "Aneco": "In Barrenstein handelt es sich um ein Stoffgemisch, also eine Vielzahl von Einzelstoffen." Diese könnten nicht – wie Einzelstoffe – mit einem Messgerät, sondern nur mit der menschlichen Nase ermittelt werden. Die Superschnüffler werden vor ihrem Einsatz einer Eignungsprüfung unterzogen und diese wird noch mehrfach wiederholt. Sie müssen über ein Riechvermögen innerhalb bestimmter Grenzwerte verfügen. Zum Proberiechen waren sie bereits vorher vor Ort.

Die Geruchsproben, die in einem Geruchsgutachten verwendet werden, werden nach einem normierten Verfahren ermittelt, so Hoffmann: "Es gibt eine Beobachtungsfläche. In jeder Fläche sind vier Punkte festgelegt, die jeweils 26 Mal geprüft werden." Prüfen bedeutet: Für zehn Minuten wird an dieser Stelle eine Geruchsprobe genommen, das Ergebnis wird in einer Liste abgehakt oder in einem Protokoll festgehalten. Über ein Jahr lang wird in Barrenstein geschnüffelt – bei jedem Wetter: Ob Regen, Schnee, Sturm oder 40 Grad im Schatten.

(NGZ)