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Grevenbroich: Eine Kapellenerin rockt den Kölner Karneval

Grevenbroich : Eine Kapellenerin rockt den Kölner Karneval

Nicole "Nici" Kempermann und Band spielen im Kölner Karneval das Lied zum Motto-Tanz und sind im eigenen Wagen Rosenmontag dabei.

Im Mai vergangenen Jahres gönnten sich Nicole "Nici" Kempermann und ihre Band-Kollegen von "Kempes feinest" einen Kreativurlaub. Dass der in der Idylle komponierte Song "Melodie" jetzt im Kölner Karneval eine tragende Rolle spielt, "konnte keiner ahnen", sagt die 30-Jährige: Das Festkommitee des Kölner Karnevals hat ihre Melodie zu dem Lied auserkoren, zu dem alle Tanzgruppen ihre Choreographien gestalten. "Unglaublich!", freut sich die Sängerin aus Kapellen.

Als der Präsident des Festkomitees Christoph Kuckelkorn anrief, habe sie das "erst gar nicht so realisiert." Jetzt, diverse Videos und Flashmops später, die einzelne Tanzgruppen zu "Melodie" in den sozialen Netzwerken präsentiert haben, sehr wohl. Rosenmontag fiebert die gebürtige Kapellenerin, die zwar inzwischen in der Domstadt lebt, Eltern und Schwester Yvi aber regelmäßig zu Hause besucht, noch aus einem anderen Grund entgegen. "Wir bekommen einen eigenen Musikwagen", erzählt sie stolz. "Das ist echt ein Ritterschlag", beschreibt sie das Gefühl, vor "Millionen von Menschen, die am Straßenrand stehen", zu spielen. Ungefähr vier Stunden dauert der Zug durch die Gemeinde, dafür haben Nici und die Band-Kollegen Victor, Tom, Tomek und Vince eine Art "Best of" ihres Materials ausgewählt, die zu einem Dauerloop zusammengefasst und gespielt werden soll. "Das ist Arbeit, klar. Vor allem aber wird es ein riesiger Spaß!", sagt sie.

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Zumal, weil die Formation über Wurfmaterial verfügen wird - "das ist unüblich. Aber ich wollte so gerne Kamelle werfen." Der eigene Wagen soll "mit unseren Körpern und Gesichtern verschönert" werden. Angedacht sind Kostüme in Rot-Schwarz, den Farben der Band. "Tomek hat da was aus Star Trek", sie selbst könnte als Catwoman auftauchen. Die Stimme im Vorfeld für dieses "Mega-Ereignis" zu schonen, ist unmöglich. "Wir haben im Moment fast jeden Abend Auftritte", deshalb werden die Probentermine reduziert. Das Wichtigste: "Vorm Auftritt schön warm singen", weiß sie. "Auch wenn es doof aussieht und andere fragen, ob da was kaputt ist", erzählt sie auf Platt. "Und viel trinken", verweist sie auf ihren derzeitigen Teekonsum.

"Es ging mir noch nie so gut wie im Moment", sagt die Sängerin über ihr Leben. Bis 2016 hatte die Friseurmeisterin mit "Kempes Cut" ihr eigenes Geschäft, das sie für die Karriere als Profimusikerin aufgab. Vorher war vor allem finanziell "vieles planbarer, jetzt ist das ein bisschen Vagabundenleben", für das sie einiges aufgegeben hat und teilweise verzichtet. Dazu gehört auch die Gründung einer eigenen Familie, die "fast alle meine Freundinnen inzwischen haben", sagt sie.

"Musik war immer mein Traum. Den habe ich verwirklicht." Von klein auf sang sie mit, wann immer es ging. Mit ihrer dunklen Stimme erregte sie Aufmerksamkeit. Nach den ersten Auftritten in der Grevenbroicher Juks fand sie später die Cover-Band "California Blue". "Aber ich wollte gerne eigene Sachen nach außen tragen", bei "Kempes feinest" stammen alle Texte von ihr. "Die Geschichten sind realitätsnah und oft aus meinem Leben." Es gibt nichts Schöneres, als wenn sie damit begeistern kann. "Das ist das Genialste für einen Musiker, wenn andere deine Sachen singen", erzählt sie.

(von)